Tied & Tickled Trio

Aelita

Text: Gunnar Klack

Die Brüder Markus und Micha Acher haben ein Problem: Mit jedem ihrer Bandprojekte haben sie zuletzt wunderbare Platten veröffentlicht und die Messlatte für sich selbst und den Musikstandort Weilheim entsprechend hoch gelegt. Für Ende des Jahres ist der Nachfolger zu »Neon Golden« angekündigt, und da geht es nicht nur um gute Musik, sondern auch um das Bestehen von The Notwist als deutsche Indietronic-Vorzeigeband. Vielleicht schwirren den beiden auch vor lauter Kooperationen und Diversifikationen die Köpfe, und sie haben deshalb einem ihrer anderen Betätigungsfelder, dem Tied & Tickled Trio eine radikale Diät verordnet. Ohne Jazz, ohne Blechbläser, ohne Johannes Enders und ohne montrealesques Agieren im Bandkollektiv klingt die Band auf einmal so, als könne sie tatsächlich das Trio sein, dessen Name bisher so ironisch im Widerspruch zu seinem ausufernden Sound stand. Mehr noch, für »Aelita« haben sich die Weilheimer einen strengen Rahmen gegeben: Dreimal drei Tage im Studio und ein einsames Glockenspiel, das zu Beginn jedes der drei »Aelita« benannten Tracks ein Motiv aus drei Tönen wiederholt. Zerbrechlich und unheimlich bildet es die musikalische Klammer um 44 Minuten minimalistischer Elektronik. Irreführend ist, dass Album- und Songtitel auf die russische Avantgarde der zwanziger Jahre verweisen. Dichter Chlebnikov und der Science-Fiction-Film »Aelita« können bestenfalls als Inspiration geltend gemacht werden, nicht jedoch als Leitthema. Denn wenn hier etwas retro klingt, dann erinnert es garantiert nicht an den Beginn des letzten Jahrhunderts, sondern an dessen Ende, als der Kaffeehaus-Dub von Kruder und Dorfmeister allgegenwärtig war. Aber keine Sorge: Um sich verpönten Vergleichen stellen zu müssen, ist »Aelita« ein viel zu eigenständiges Konzeptalbum, das in erster Linie für sich selbst steht. Und erst dann für Weilheim.

LABEL: Morr Music

VERTRIEB: Indigo / Hausmusik

VÖ: 01.06.2007

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