Windmill

Puddle City Racing Lights

Text: Ralf Krämer

Je ungewöhnlicher es klingt, was da im Kehlkopf vibriert, desto stärker werden die Vocals als eigenständiges Instrument wahrgenommen, emanzipieren sie sich vom Wort. Matthew Thomas Dillons Tonlage ist hoch, aber er hört sich nicht an wie eine Frau. Sie ist eher hart, nicht weiblich. Sie klingt nach straff  gezogenem Pergamentpapier, fieser gesagt: nach einem Kamm blasenden Frosch; wer’s gar nicht mag, assoziiert Supertramp. Und ein ums andere Mal gemahnen Harmonik, Dynamik und vor allem das im Mittelpunkt stehende akustische Piano an – Gesundheit! – Coldplay. Allerdings in der roheren Variante. Hin und wieder fast perkussiv eingesetzte Celli und Kontrabass-Arrangements, manchmal bis zur Langeweile straighte Drums. Viel mehr ist nicht. In »The Planning Stopped« ist gar so wenig, dass man Dillons knarrenden Hocker lauter zu hören scheint, als alles andere. Beim besonders wohlfühlverdächtigen »Tokyo Moon« hintertreiben  besoffene Background-Wortfetzen den oberflächlichen Schein, geben der melancholischen großen Geste eine selbstironische zweite Ebene. Das erinnert auch an eine noch unpluggedere Version der Earlies, von denen sich Einzelgänger Dillon für diese Sessions gleich ein paar Musiker ausgeliehen hat. Ansonsten gibt er sich als Einzelgänger. Auf dem Cover lässt er (?) sich hinter einer Screammaske den Regen auf die Kapuze fallen, sein Neonherz brennt blau. Alle anderen tragen Schirme. Was würde wohl aus Windmill, wenn seine Melange aus Eskapismuspop und Neoklassik ihn aus dem selbst beschworenen Außenseitersein in die roten Herzen seiner Mitmenschenmassen katapultieren würde. »I don’ fit« singt er vorsorglich in einem der gefälligsten Titel, bei dem sogar eine verzerrte Sechsaitige in den Chorus drischt. Das Stadion könnte kommen. Vielleicht muss sich Matthew Thomas Dillon bald entscheiden, zwischen seinem Selbstbild und der Wirksamkeit seiner Musik.

LABEL: Grönland Records

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 18.05.2007

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