Malajube

Trompe L'Oeil

Text: Gunnar Klack

In Montreal, dort wo die Röhrenjeans noch enger und die Indieboys noch bärtiger sind, da scheint ein nie zu versiegender Quell an innovativer Alternative-Musik zu entspringen. Neben Staatsoper und Staatsgalerie steht ein besetztes Haus mit Punks davor, und jeden Abend spielt in einem der vielen stillgelegten Theater eine andere Band ihre Version einer innovativen und eklektischen Popmusik. Stetig fließt der Strom von interessanten Bands aus Montreal, die musikalisch weniger leicht zusammenzufassen sind, als durch eine gewisse Haltung gegenüber dem Indie-Zirkus. Personelle Unstetigkeiten, weit gestreute Anleihen von Folklore bis High-Tech, sowie eine leicht neben den Hörgewohnheiten vorbeischrammende Soundästhetik sind die Gemeinsamkeiten, die die Szene zusammenhalten, aus der im Moment Malajube als Speerspitze hervorstechen.
    Allerdings versehen Malajube ihren überbordenden Alternative-Rock, der sich ohne Probleme in eine Landschaft zwischen Arcade Fire, Deerhunter und Wolf Parade einfügt, mit französischen Texten. Neu ist diese Kombination zum einen, weil Malajubes Debut »Le Compte Complet« vor drei Jahren auf Dare To Care Records nur in Kanada verkauft wurde, ein Schicksal, dass »Trompe L’Oeil« durch einen amtlichen Medienhype und Neuveröffentlichung bei City Slang erspart bleibt. Zum anderen schielt man trotz des traumhaften Nährbodens für Originalität natürlich auch am Sankt-Lorenz-Strom mit einem Auge nach London und mit dem anderen nach Brooklyn. »Trompe L’Oeil« klingt manchmal europäisch, smart und lässig – wie bei der Single »Montreal -40° C«, manchmal aber auch amerikanisch, episch und hymnisch – wie »Le Crabe« und »La Monogamie«. Franz Ferdinand und Phoenix standen für dieses Album ebenso Pate wie Arcade Fire und The Mars Volta, nur eben – angesichts der örtlichen Gegebenheiten – frankophon. Wie ist also Malajubes Spiel mit Zitat und Transfer bei gleichzeitigem Beharren auf lokalem Sprachgebrauch zu verstehen? Der Albumtitel gibt einen Hinweis: Ein Trompe-l’œil ist eine Illusionsmalerei, eine vorgetäuschte Perspektive, die mit großer Sorgfalt räumliche Tiefe simuliert aber selbst immer zweidimensional bleibt. So versiert sich Malajube verschiedener Stile bedienen, so ernsthaft sich die von Krankheitsbildern inspirierten Songtexte geben, so sehr verharrt die Band als Pose. Als eigentlich doch nicht so gemeinter großer Wurf. Lieber spielen Malajube am nächsten Tag nochmal ein Konzert, diesmal alle Songs rein elektronisch. Sie bilden facettenreich verschiedene Oberflächen ab, ohne sich festzulegen. Eine Eigenschaft, die Malajube zu mehr machen könnte, als nur zum Hype du Jour. »Trompe L’Oeil« ist komplex und überraschend, auch wenn es manchmal Posen am Rande der unfreiwilligen Komik einnimmt. Es ist eben Illusionsmalerei, ein Schlossgarten auf einer Brandmauer, ein Chanson im Gewitter und eine Zigarette am offenen Autofenster – bei 180 km/h.

LABEL: City Slang

VERTRIEB: RTD

VÖ: 04.05.2007

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