KTL

KTL 2

Text: Raphael Smarzoch

Peter Rehberg, der bisher unter dem Pseudonym Pita im Kontext experimenteller Elektronik rezipiert wurde und als Betreiber des Wiener Mego Labels (heute EditionsMego) in Erscheinung getreten ist, hat vor kurzem zusammen mit einer der prominentesten Persönlichkeiten im experimentellen Metal – Stephen O´Malley, Gitarrist bei Sunn O))) und Khanate – das Projekt KTL – Kindertotenlieder – gegründet, das auf Bitte der österreichischen Theatermacherin Gisele Vienne und des amerikanischen Dramaturgen Dennis Cooper entstanden ist. Das Duo Rehberg / O’Malley sollte die passende musikalische Untermalung für ihr Theaterstück komponieren, das ebenfalls auf den morbiden Namen Kindertotenlieder hört und eine Auseinandersetzung mit Black Metal und bildender Kunst darstellt. Dabei besteht weder eine direkte Verbindung zu den Kindertotenlieder-Gedichten von Friedrich Rückert, die er nach dem tragischen Tod zweier seiner Kinder schrieb, noch zu ihrer Vertonung durch den Komponisten Gustav Mahler. Peter Rehberg und Stephen O’Malley streben eher den Versuch an, das Vokabular extremer Computermusik mit den blasphemischen Gitarrenattacken des Black- und Doom-Metals zu amalgamieren. Während diese Arbeitsweise hauptsächlich auf ihrem Debüt KTL 1 in ihrer teuflischsten Vollendung präsentiert wurde, so zeigen sie sich auf ihrem Nachfolger KTL 2 in musikalischen Gefilden, die vorwiegend im Fokus experimenteller Elektronik stehen und nur noch über ikonographische Verweise einen direkten Kontakt zu den extremen Spielarten des Heavy Metals aufweisen. Positiv anzumerken ist, dass Stephen O’Malley seine langsamen subharmonischen Gitarrencrescendi, die sonst bei Sunn O))) von großer Wichtigkeit sind,  zugunsten einer facettenreicheren Klangsprache aufgegeben hat. Virtuos raubt er seinem sechssaitigen Instrument durch geschickte Modulationen und erweiterte Spieltechniken seine eigentliche Klanglichkeit und passt es zusehends an die elektronischen Beschwörungen von Peter Rehberg an. Dieser verwebt die magischen Formeln seines Partners in eine digitale Dramaturgie aus schimmernden Drones, krachigen Walls of Sound und psychedelischen Parallelwelten.
    KTL 2 ist eine gelungene Fortsetzung, die selbst ohne die erfolgsversprechenden Metal-Referenzen auskommen würde. Es ist ein Werk, das durch seine konzentrierte musikalische Ausführung zu begeistern weiß und bereits erahnen lässt, von welchem Potential sein möglicher Nachfolger erfüllt sein wird.

LABEL: EditionsMego

VERTRIEB: Import

VÖ: 23.04.2007

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