Anaïs Mitchell
The Brightness
Text: Esther Göbel
Vorbau tut Not: Anaïs Mitchells drittes Album ist alles andere als schlecht. Es ist vielmehr eng verbunden mit Geschmacksfragen, die erst dann richtig verständlich werden, wenn den Behauptungen Referenzen folgen. Denn ähnlich wie die Newsom verwandelt auch Mitchell ihre Lyrics leicht quäkend in verwunschene Kurzgeschichten. Mit einem unüberhörbaren poetischen Talent platziert sie sich so – die Akustikgitarre fest in der Hand – mitten im Metier des Folk- Pianopops, als »stripped-down« Singer/Songwriter.
Das eingangs erwähnte Problem beginnt an anderer Stelle: Nicht der erste, der bleibende Eindruck zählt! Interessant ja, fesselnd auch, aber tief Markerschütternd? Vielmehr nett und solide, ein niveauvoller Spaß, mit dem es sich gut die Zeit vertreiben lässt. Oder anders ausgedrückt: Anaïs Mitchell macht die selten zu findende Musik für »zwischendurch«, den Genuss für den Moment. Gerade Mitchells Stimme und der sehr poetisch-verträumte Charakter ihrer Stücke machen es zwar einfach, sich für diese zu interessieren, sich kurzzeitig von den gesungenen Geschichten hinforttragen zu lassen. Andererseits fällt das Öffnen der Augen, der Schritt zurück ins »Jetzt« ähnlich leicht. So ist es die Plattitüde des persönlichen Geschmacks, die erklären kann, warum bei einem charmanten Album wie »The Brightness« der Raum für Wachstum nur nach oben offen ist.
LABEL: Righteous Babe
VERTRIEB: Indigo
VÖ: 20.04.2007

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