Kammerflimmer Kollektief

Jinx

Text: Philipp L'heritier

Das Zusammendenken von wild wucherndem Ideenreichtum, ausladender Improvisation und Minimalismus kann so einfach klingen. Den Kern des Kammerflimmer Kollektiefs bilden mittlerweile nur noch drei Mitglieder: Thomas Weber (Gitarre, Electronics, Piano), Heike Aumüller (Harmonium, Gesang, Synthesizer, Percussion) und Johannes Frisch (Kontrabass, Percussion). Selbstredend wurde der Kollektiv-Charakter dabei nicht gänzlich über Bord geworfen, auch an der Entstehung des sechsten Albums des Kollektiefs waren wieder befreundete Musiker und Musikerinnen maßgeblich beteiligt, beispielsweise Martin Siewert oder Heike Wendelin. Die Gruppe setzt auf Reduktion in der Darreichung der Stücke bei gleichzeitiger, wie selbstverständlich klingender Verschränkung unterschiedlichster Welten. Das Fundament bildet nach wie vor Jazz, »Indie Jazz« hat es Felix Klopotek 1999 keineswegs abwertend genannt.

    Dieses Mal wird etwas weniger »Free« geriert, nicht selten werden mit Lap Steel Guitar Ausflüge ins Countryeske unternommen. Unter Rauschen und Geraschel, vor allem aber durch die angenehm vor sich hin eiernde Laut-Akrobatik Heike Aumüllers, rückt das Kollektief in die Nähe von Freak-Folkern wie Sunburned Hand Of The Man oder No-Neck Blues Band, wenngleich das Kammerflimmer Kollektief seine Stücke schlauer und konzentrierter organisiert als genannte Zusammenschlüsse, die ihre Platten häufig als bloße Dokumentationen des Arbeitens im Trial-And-Error-Prinzip betrachten. »Jinx« demonstriert, dass Bruchstückhaftigkeit und Stringenz nicht in Opposition zueinander stehen müssen. Vielmehr verdichten sich hier die von allen Ecken und Enden zusammengetragenen Bauteile zu einer eigenen Sprache, deren Ausformulierung, Umsetzung und Übermittlung der Gruppe bisher noch nicht so überzeugend gelungen war wie auf diesem Album. In seinem richtigerweise »Ein Glanzstück« betitelten Text meint Christof Kurzmann, dass das Kammerflimmer Kollektief nun die seine, die »Kammerflimmer-Musik«, gefunden habe. Man möchte ihm nicht widersprechen.

LABEL: Staubgold | VERTRIEB: Indigo | VÖ: 18.05.2007

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » »Nein, wir nehmen kein Acid«:

    [...] Es ist nicht das erste Mal Gesang, wir hatten schon auf unserer letzten LP »Jinx« zwei Stücke, allerdings ohne Texte, sondern eher am Scat-Gesang orientiert und von [...]

     
 
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