Vladislav Delay

Whistleblower

Text: Kai Ginkel

Endlich ist Vladislav Delay wieder ein Album gelungen, das nicht nur für diejenigen von Interesse ist, die bei ihren Lieblingskünstlern gerne Treuepunkte sammeln. Zwar war selbst der letzte Luomo-Longplayer »Paper Tigers« deutlich tiefgründiger und mutiger, als es viele Kritiker wahrhaben wollten. Doch das, was auf »Whistleblower« stattfindet, ist tatsächlich von einer vollständig anderen Qualität.
    Auffällig: Obwohl sich stilistisch an der Oberfläche nicht viel gewandelt hat, klingen diese sieben Stücke mitunter unheimlich aggressiv. Das Spiel mit Zurückhaltung und Dub wird diesmal schließlich auf eine Art auf die Spitze getrieben, die den typisch hypnotischen Charakter perfekt mit zähflüssig lärmenden, fast quälenden Strukturen und Elementen kombiniert. Mit »Lumi« beispielsweise ist Vladislav Delay bei einer Musik angelangt, die zu gleichen Teilen ruppig und anschmiegsam ist: Der springende Punkt ist, dass auf einen offensichtlichen Groove verzichtet wurde, der Klang aber jederzeit auf eine Weise in Bewegung bleibt, die niemals steif oder lediglich selbstgefällig erscheint.
    Nicht immer geht der Produzent so weit, und auch nicht jedes Experiment ist geglückt – das muss man bei aller Freude eingestehen. »Whistleblower« jedoch ist nichtsdestotrotz eines der originellsten und schlichtweg besten Alben im reichen Delay-Katalog: »Four Quarters« von 2005 hat mit seiner konsequenten Art und dem Ausblick auf einen weiteren Fortschritt gewiss nicht zuviel versprochen.

LABEL: Huume

VERTRIEB: Alive

VÖ: 04.05.2007

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