Popnoname

White Album

Text:

Es gehört schon eine gesunde Portion Selbstbewußtsein dazu, ein Debütalbum »White Album« zu betiteln. Zu viele pophistorische Assoziationsfallen öffnen sich, die Gefahr, sich in Querverweisen und Referenzhöllen zu verfangen, erscheint unumgänglich. Diese Dreistigkeit ist im Fall des von Jens-Uwe Beyer initiierten Projekts Popnoname jedoch durchaus schlüssig. Der Projektname legt es bereits nahe: Es scheint Beyer ein Bedürfnis zu sein, den personifizierten Auteurbegriff hinter einer scheinbar uncodierten Leerstelle verschwinden zu lassen, die Musik als reine Assoziationsoberfläche zur Verfügung zu stellen. Umso mehr erstaunt es, wenn die Abstraktheit dieses Konzepts sich im Laufe der zehn Tracks elegant entfaltet und dabei Momente von atemberaubender emotionaler Dichte entstehen. Dabei sind die Ausgangspunkte des Werks jederzeit spürbar: die Lust an melancholischen Melodiebögen des New Wave sowie der schwebende Minimalismus der Kölner Schule. Nicht umsonst gehören Popnoname-Tracks regelmäßig zu den Höhepunkten der großartigen »Pop Ambient«-Reihe des Kompakt-Labels; die hier vertretenen Meisterwerke »Jasminstrauch« und der flächendeckende Epilog »Taken« legen davon beeindruckend Zeugnis ab. Immer wieder ergeben sich Leerstellen von eigenartiger Schönheit, in denen die Songs im Fallen begriffen sind, sich zittrig zwischen Dancefloor und ambienten Soundscapes bewegen. Diese Momente semantischer Unklarheit, wie im großartigen Opener »No Doubt«, der als sanfter Ambient-Pop beginnt und sich nach eben diesem kurzen Augenblick des Innehaltens zu einem schwermütigen House-Track verkehrt, lassen die Bassdrum als zentrales Motiv hervortreten. Als klassische Dancefloor-Platte erscheint »White Album« dennoch nicht, vielmehr bleibt Popnoname oftmals angenehm hinter den funktionalen Anforderungen des Club-Kontextes zurück. Die Stärke des Albums bleibt seine diffuse Brüchigkeit, das Zustandekommen des Moments, in dem sich Emotionalität offenbart.

LABEL: Italic

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 25.05.2007

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