Battles

Mirrored

Text: Raphael Smarzoch

Dass experimentelle Musik sich durch eine verspielte Eingängigkeit auszeichnen kann, passiert im Grunde in den seltensten Fällen. Zumeist präsentieren sich avancierte Klangexperimente in einer grüblerischen Engstirnigkeit, die viele Zuhörer befremdet und oft nur dem Eingeweihten einen Zugang in diese Welt gewährt. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, wie zum Beispiel das aus New York stammende Quartett Battles um Ian Williams (Gitarre / Synthesizer) und Dave Konopka (Gitarre / Bass); Sänger, Gitarrist und Elektroniker Tyondai Braxton und schließlich Schlagzeuger Jon Stanier. Mit ihren vorherigen zwei Veröffentlichungen, den Platten »Ep B« und »Ep C«, erschufen sie einen individuellen Sound, der sich zwar durch eine strenge Konzeptualität auszeichnete, aber dabei die kompliziertesten klanglichen Phänomene stets nachvollziehbar darzustellen vermochte. Charakteristisch für ihre musikalische Herangehensweise ist die Verwendung eines traditionellen Instrumentariums, das durch ein Mischverhältnis aus erweiterten Spieltechniken und unkonventionellem Sounddesign seiner ursprünglichen Klanglichkeit beraubt wird. Zudem beruhen die Arrangements ihrer Kompositionen auf einer Schichtung kleinstteiliger, musikalischer Informationen, die in akribischer Spielsicherheit und rhythmischer Präzision vorgetragen werden.
    Das Resultat erinnert in seiner mathematischen Entrücktheit an die Morphologie elektronischer Musik, die von einer organischen Mannigfaltigkeit gekennzeichnet ist und somit einer permanenten Entwicklung unterliegt. Trotz dieser diffizilen Versuchsanordnung gelingt es den Battles – und dies liegt nicht zuletzt an Jon Stanier – das gesamte Konstrukt stets am grooven zu halten und somit den Spagat zwischen Klanglabor und Popattitüde mühelos zu bewerkstelligen. Jene akrobatische Finesse wird auch auf ihrem Debütalbum »Mirrored« fortgeführt. Nach wie vor bedienen sich die Battles ihrer eigentümlich-wissenschaftlichen Klangsprache, der aber von nun an eine einfachere Grammatik zu Grunde liegt. Das Regelwerk ist somit das gleiche geblieben, nur die Koordinaten haben sich verschoben. Wäre die Integration von Vocals auf ihren zwei vorherigen Eps undenkbar gewesen, so bildet sie nun einen essentiellen Bestandteil nahezu aller Stücke.

    Allerdings erfährt die von Tyondai Braxton dargebotene Stimme über pointierte elektronische Verfremdungen einen starken texturalen Charakter, der sich weniger traditionellen gesanglichen Absichten verpflichtet fühlt, als dass er versucht, eine weitere eigentlich instrumentale Konnotation in das musikalische Geschehen hinein zu bringen. Darüber hinaus erweitern Battles ihr stilistisches Repertoire, knüpfen Verweise zum hypnotischen Puls des Minimal Technos (»Atlas«), lassen uns an ihrer Liebe zu den ausschweifenden Darbietungen des Progrocks teilhaben (»Race: In«) oder karikieren die hochgepitchten Soulstimmen zeitgenössischer R&B Produktionen (»Leyendecker«).
    Diese Vielfalt und Ungebundenheit lässt mögliche Kategorisierungsversuche als unzulänglich erscheinen, fällt doch in ihrem Zusammenhang immer der Blick auf die Referenzen Post- und Mathrock und macht sie zu einer modernen Band, die es stets versteht, die Grenzen zeitgenössischer Musik mit ungebändigter Kreativität zu erschüttern. »Mirrored« ist dafür der Beweis.

LABEL: Warp Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 18.05.2007

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2 Kommentare:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Veränderung als Chance:

    [...] Klangkosmos soll sich auf »Gloss Drop« weiterhin in dem des Vorgängeralbums »Mirrored« bewegen, aus Pop-lastigeren Stücken, Rocksongs und einem an Hiphop erinnernden Track [...]

     
  2. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Battles:

    [...] Vier Jahre ist es her, seit der erste BATTLES-Longplayer Mirrored für Aufsehen sorgte und die dazugehörigen Live-Auftritte der so-called Supergruppe [...]

     
 
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