Monostars

Neobagism

Text: Oskar Piegsa

»Hey!« So geht es los auf »Neobagism«, dem mittlerweile fünften Album der Münchner Monostars. Das klingt frei heraus und einfach. Aber dann wird’s kompliziert. Denn die Monostars sind nicht Mando Diao. Wenn die Monostars »Hey!« singen, käme niemand auf die Idee, dazu die Finger in die Luft zu reißen. Das »Hey!« der Monostars ist nicht das »Hey!« der Hedonisten, sondern eher das der Tresensoziologen: »Und, hey, ich meine...«
    So geht es dann auch das ganze Album hindurch weiter: Hey, die große Liebe ist natürlich besser als das Glück im Kleinen, man kann ja nicht immer nur an sich selber denken. Aber, hey, dabei ist Liebe auch zu zweit schon so eine prekäre Angelegenheit, ständig durch ihr eigenes Übermaß vom Aussterben bedroht. Darf man sagen, was man zu fühlen glaubt, auch wenn es inflationär klingt? Überhaupt, der Zweifel, der alte Co-Pilot Angst. Man müsste mal wieder richtige linke Politik machen. (Die große Liebe.) Oder Sex, Alter! (Das Glück im Kleinen.) Das würde zumindest mal was Anderes sein...
    Kurz: Es bringt gar nichts, diese CD zu hören. Sie dreht sich nur im Kreis. Rechthaben und Resignierthaben gehen Hand in Hand.
Da hilft auch nicht, dass der Sound gänzlich undepressiv ist, klar und scharf, wie ein Eiskristall. Und dass die anglophilen Gitarren sich trotz Liebes-Lyrics auf sicherer Distanz zur Indie-immanenten Schlagergefahr einpendeln. Das Dilemma bleibt: Das Leben ist ein Provisorium. Antworten auf Fragen bleiben aus. Die Unschuld ist verloren.
    Darüber Popsongs zu schreiben, verändert zwar die Welt nicht, aber vielleicht stellt man ja fest, dass die herrschende Wirklichkeit nicht die einzig denkbare ist – um es mal mit den Worten der Monostars zu sagen, die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf herausbekommt. Alben zum Abgehen machen andere. »Neobagism« zwingt dagegen zum Sitzenbleiben, Biertrinken, Weiterdenken.
    Das macht »Neobagism« zu einer äußerst hörenswerten CD. Und, hey, solange Unglück eine produktive Kraft ist, geht es immerhin weiter.

LABEL: Arg & Loud

VERTRIEB: Broken Silence

VÖ: 27.04.2007

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