Von Spar

Von Spar

Text: Walter W. Wacht

Es ist ein interessantes Album geworden. Interessant, aber keinesfalls aufregend. Ein aufregendes Album machten Von Spar vor drei Jahren mit »Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative«. Eines, das Deutschland herausforderte, Postpunk sein sollte, dabei einfach nur Pop war, obendrein als Diskurs-Pop (miss-)verstanden wurde. Heute soll es nur noch der Diskurs sein, eher sogar Streit. Eines von beidem suchen Mahmoud, Janzen, Blume, Tielsch und Marquez mit diesem Album. Sie geben sich verändert und vielschichtiger: Auf Tanzbarkeit ist »Von Spar« nicht mehr ausgerichtet, vielmehr bestimmt Distanz zum Hörer das Album. Der klare Bruch mit ihrer bisherigen Genreverortung ist mutig, denn ähnlichen Erfolg wie 2004 werden sie mit dieser Platte kaum noch einmal haben. Nonkonformismus und Haltung zeichnen daher auch »Xaxapoya« und »Dead Voices In The Temple Of Error«, die beiden einzigen Stücke des Albums, aus: Sie zitieren György Ligetis Lehre der Mikropolyphonie ebenso wie die Flächigkeit von Jim O’Rourkes Abstraktum »Cede«, beziehen sich auf die dunklen Momente der Liars (»Drum’s Not Dead«) ebenso wie auf die ruhigeren von Throbbing Gristle. Vielschichtig sollte es also klingen, aber was gut gemeint war, ist nicht unbedingt gut gemacht: Gegen Ende wirkt das Album mehr verkrampft denn souverän, zerfasert statt konzeptionell geschlossen, und es funktioniert auch nach mehreren Durchläufen nicht als Einheit: »Dead Voices In The Temple Of Error« schließt mit Genre-Hopping von Metal zu Free Jazz. So konsequent Von Spar ihren bisherigen Pfad großen Schrittes verlassen, so schwierig dürfte es für viele sein, der Band auf diesem Weg zu folgen.
    »Von Spar« muss als Neuanfang einer intelligenten Band verstanden werden, die nach der Reduzierung auf ein Klischee – das des Agit-Pops – auf der Suche nach einer neuen Identität ist. Um es mit Ligeti zu halten: »Ich bin in einem Gefängnis: die eine Wand ist die Avantgarde, die andere Wand ist die Vergangenheit und ich möchte fl iehen«. Gut, dass wenigstens der Drang nach Bewegung noch da ist.

LABEL: Tomlab

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 04.05.2007

Diesen Artikel kommentieren?

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar schreiben zu können.

Solltest du noch kein Benutzerprofil haben, so kannst du dich hier registrieren. Bitte beachte: wir schätzen die Debatte, allerdings bevorzugt mit echten Menschen. Dein Username sollte daher aus Deinem vollen Namen, wenigstens aus Deinem Vornamen bestehen.

1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Von Spar:

    [...] Initiative« (2004) und dem nachfolgenden verkrampft-zerfaserten Avant-Krautrock-Album »Von Spar« (2007) stieg zunächst Sänger Thomas Machmoud aus der Band aus, dieser lebt und [...]

     
 
MySpex
Willkommen auf Spex.de
Du bist derzeit nicht angemeldet.
Um Artikel kommentieren zu können, musst du dich registrieren bzw. anmelden. Solltest du bereits auf Facebook registriert sein, so kannst Du auch diesen Login nutzen.

Login
Registrieren
 

  • Redaktionscharts 2011



    Die Spex-Redaktion hat die 30 wichtigsten Songs und Alben des Jahres kompiliert. Plus ByteFM-Stream.
  • Die neue Spex #336

    Spex #336 Teaser

    Die neue Ausgabe Spex #336 ist ab dem 16. Dezember im Handel erhältlich, u.a. mit Newcomerin Lana Del Rey, David Lynch als Musiker, Occupy Wall Street mit Mark Greif, The Black Keys und dem Jahresrückblick RE: 2011.

    Außerdem: Gordon Matta-Clark, Miguel Adrover, Frank Miller, Rodarte, Mary Bauermeister, Drive, Veronica Falls, Sepalcure, Das Racist, Winfried Menninghaus, Niobe, Let Me In u.v.m.

    Dazu: Die Spex-CD #100 mit 15 Titeln und einem tierischen Foto von Juergen Teller.
  • Vernetzen

    Spex auf Facebook
  • Gezwitscher

  • Spex abonnieren

    Spex im Abo mit Prämie

    6 Hefte ¬ 6 CDs ¬ nur 30 Euro
    Immer 1 Woche vor Kiosk frei Haus
    Jetzt abonnieren!

Spex International
Spex International
Selected Spex contents in English
  • Daniel Miller & Patrick O’Neill of Mute on their new label
    Thomas Vorreyer | 28.01.2012 um 16:01
  • Talking music history with Debbie Harry and Chris Stein
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
  • »Since I’ve become an artist my mother is proud of me«
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
more

Neueste Texte
  • Compilation: »Format«
    Sebastian Hammelehle | 10.02.2012
  • Verlosung: Soundtrack zu Nicolas Winding Refns spektakulärem »Drive«
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012
  • Verlosung: Kontrabassist Baldwin heute bei »Kometenmelodien« in Berlin
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012

Blogs

-->