Electrelane

No Shouts, No Calls

Text: Kai Ginkel

»No Shouts, No Calls« ist »ein persönliches Album« – das kann man wohl so festhalten. Die große Frage nun ist demzufolge, ob es dieser immer schon außergewöhnlichen Gruppe gelungen ist, ihre Schrulligkeiten, das Gespenstische und nicht zuletzt auch den Krautrock in dieses offenbar neue Kapitel hinüber zu retten. – Zu Teilen, muss man sagen.
    Aber von vorne: Dieses neue Album klingt tatsächlich frisch, unverkrampft, einladend und mächtig. Es ist vielleicht sogar eines der eigenwilligsten und überzeugendsten Rock-Statements der ersten Jahreshälfte geworden. In jedem Fall aber ein sommerliches Vergnügen von ungeheuerlicher Geschmeidigkeit und mit so viel Hit-Appeal, wie man sich im Rahmen einer derart künstlerischen Veranstaltung nur wünschen kann. Bedeutet: Cheesy wird es nicht, aber glücklicherweise ist die Musik hin und wieder nahe dran.
    Für meinen Geschmack hat lediglich der Gesang von Verity Susman an seinem unmittelbaren Einschlag verloren. Hier geht Electrelane unter Umständen ein wunderbares Trademark stiften: Was der Band selbst als ein Mehr an Direktheit erscheinen mag, trifft den Hörer als unnötige Plattheit inmitten zahlreicher hervorragender Momente, denen so viel leichter der Spagat gelingt, der eigentlich gar keiner ist. Versöhnlich freilich stimmt das typische Georgel, der zupfende, wimmernde Aufbau einiger Stücke.
    Und Hand aufs Herz: Gerade dann, wenn Electrelane heute sehr geradlinig werden, klingen sie letztendlich doch besonders fordernd. Sicher schließlich ist bei aller Kritik: Electrelane werden und werden nicht schlecht.

LABEL: Too Pure / Beggars Banquet

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 27.04.2007

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