Patrick Wolf The Magic Position

Da thront er mit rot gefärbtem Haar, Karohemd rotweiß und goldenen Schuhen auf einem Kinderkarussell und scheint auf dem Cover seiner dritten Platte mit dem Blick eines Süßigkeitendealers sagen zu wollen: »Eat this!«
    Und tatsächlich schaut Patrick Wolf zurück, in jene Zeit, als er mit »such a heavy heart, such a heavy jewel« auf dem Weg zur Schule war. Schon damals schien er über das »Jetzt« Bescheid zu wissen, glaubte etwas zu verstecken was er »eines Tages wird verkaufen können«. Zum Beispiel nun an die Major Company und an all jene, die schon für David Bowies »Hunky Dory« oder die Flaming Lips in die Tasche griffen. Pauken, Streicher, Akustik-Gitarren, Elektrobeats – und das alles schon im ersten Stück, genannt »Overture«.  Zwölf Titel und 40 Schwindel erregende bunte Minuten später endet die Fahrt im »Finale«, gleiche Zutaten minus Pauken plus Piano und Sphärengesang, der lang gezogen »And so be it« pathetisch aushaucht – welcome to the freaky world of Konzeptalben! Aber worum geht’s? Nennen wir es Selbstfindung, nennen wir es Coming-of-Age, nennen wir es das Positionieren des Patrickschen Universums im großen Ganzen. Also eher ein roter Faden statt dramaturgischer Zusammenhang. Es folgen, teilweise kaum merklich ineinander übergehend Kapitel auf Kapitel, Soundcollagen hier, Minioper da. Nach den Schultagen: Liebe und Verlust, das gemeinsame Leben und der Tod, zwischen verspielt (»Accident & Emergency«), verworren (»Secret Garden«) und der tröstlichen Banalität von »The Stars«, in denen der 23jährige die dahingegangenen Omas und Opas ansingt.
    Apropos Oma. Dazwischen nicht nur minutenkurze instrumentale Zwischenspiele sondern das gespenstisch große Duett mit Marianne Faithfull: »Magpie«, eine Feen-Ballade, mit Solovioline und düster rollendem Klavier, alle Kitschklippen gerade so umflatternd. Der Soundtrack zu »Irina Palm«, als die Faithfull ins rüstige Rotlichtmilieu hinabsteigt – im Juni in unseren Kinos. Der musikalische Kopffilm des Patrick Wolf wurde indes im Einzelnen eine Fundgrube wilder Ideen, so kunstvoll und komplex arrangiert, dass eine Standard-Ode wie »Augustine« im Albumkontext eher erholt, statt zu langweilen. Im Ganzen: ein Bastard von einer melancholischen Gutelaunescheibe, die die elektronischen Welten seines Debüts »Lycanthropy« und den depressiven Folk von »Wind In The Wires«  zum vielschichtigen Jahrmarktpop vereint.

LABEL: Polydor

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 20.04.2007

JUICE Magazin abonnieren
SPEX ABO
BESTELLEN
UND TOLLE
PRÄMIEN
SICHERN!

 
 
 
ZUM SHOP
spex_no368_final_cover_154px_kiosk
DIE NEUE
AUSGABE &
BACK ISSUES
JETZT
VERSAND-
KOSTENFREI
BESTELLEN!
 
 
ZUM SHOP
GoldPanda

Gold Panda »Good Luck And Do Your Best« / Review

Good Luck And Do Your Best ist das bisher beste Album von Gold Panda, der darauf auch schon mal an die Old-School-HipHop-Beats seiner Frühphase anknüpft.

esben10

Rückblende in Bildern: Esben And The Witch im Tiefgrund

Grüße aus dem Jenseits am 25. Mai im Berliner Tiefgrund: Nils Witte hat Esben And The Witchs Wanderung zwischen Prog und Neo-Goth fotografisch dokumentiert.

kristinkontrol

Kristin Kontrol »X-Communicate« / Review

Kristin Welchez hat ein Soloalbum gemacht, das von der Rockmusik, die sie eben noch überholte, nichts mehr wissen will.

04_spex_no368_mode_RZ.indd

100 Jahre Unfug – Modestrecke aus SPEX N° 368 / Verlosung Floris van Bommel

100 Jahre Unfug – SPEX-Modestrecke total dada. Erschienen in der Ausgabe N° 368.

NatalieBeridze

Natalie Beridze »Guliagava« / Review

Natalie Beridzes neues Album mag zwar weniger sperrig klingen als so mancher Vorgänger. Doch auch hier sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen.

heavy4

Rückblende in Bildern: The Heavy in Berlin

The Heavy haben den Funk eingepackt und ihn am Montag im Berliner Columbia Theater aus dem Sack gelassen. Nils Witte hat das Konzert zum neuen Album Hurt & The Merciless mit der Kamera begleitet.

Savages

Im November nach Utrecht: SPEX präsentiert das Le Guess Who? Festival

Jedes Jahr das Gleiche – zum Glück! Im November 2016 präsentiert SPEX abermals das Le-Guess-Who?-Festival. Dieses Mal wird das Club-Festival in Utrecht von vier Bands kuratiert.

Jenny Hval

Blood Bitch: SPEX präsentiert Jenny Hval live mit neuem Album

Die Norwegerin Jenny Hval kommt mit ihrer vertonten Menstruationsstudie nach Deutschland.

Anna Garten 2 - Foto Stefanie Walk

New Found Land: »Lore« / Album-Vorabstream & Release-Party

Deepe Electronica und eingängiger Pop: New Found Land entwickelt sich auf ihrem neuen Album Lore konsequent weiter. Das am Freitag erscheinende Werk gibt es ab jetzt bei SPEX im exklusiven Vorabstream.

thejulieruin1

SPEX präsentiert The Julie Ruin mit neuem Album in Deutschland

Kathleen Hannas Riottruppe ist mit neuem Album zurück on the road. Da lässt sich SPEX nicht bitten.

nachwuchs2

Musik von Morgen: Bewerbungsstart für den Pop-Kultur Nachwuchs

Das Pop-Kultur Festival bietet auch in diesem Jahr wieder sein »Nachwuchs«-Programm zur Förderung junger Talente an. Die Plätze wurden in diesem Jahr aufgestockt, bewerben kann man sich ab jetzt.

Wild Beasts

Wild Beasts mit neuem Album auf Tour / SPEX präsentiert

Das Falsett ist zurück! Wild Beasts kündigen ihr fünftes Album an – SPEX präsentiert die Tour im Herbst.