Kammerflimmer Kollektief
Ein Glanzstück
Text: Christof Kurzmann
Die ersten Produktionen des Kammerflimmer Kollektiefs, die mit den verschiedensten Versatzstücken und Zitaten arbeiteten, hatten wir als ungeschliffene, raue Skizzen lieb gewonnen. Dennoch musste man mit der Zeit ein wenig skeptisch werden: Einige der Dinge, die zu Beginn ihres Schaffens wesentlich waren, wie der eklektische Umgang mit dem Ausgangsmaterial, fielen weg, andere, neue und im Ansatz vielversprechende Elemente, wie die des erweiterten Instrumentariums oder der verstärkte Einsatz der Elektronik, wurden nicht konsequent genug ausgearbeitet. Nun gewinnt der Hörer auf »Jinx«, dem neuen Album des Trios, den Eindruck einer Gesamtheit, die endgültig neu ist. Farbenfroh und organisch wirkt das Album der Karlsruher. Es hat jeglichen Ansatz von »Art«, im Sinne von »erkünstelt», verloren und ist, variantenreich instrumentiert, wieder mit zahlreichen Einflüssen spielend und durch das Mitwirken zahlreicher Gäste, wie etwa Martin Siewert, ein aus einer Stimmung heraus gespieltes Ganzes geworden.
Wo Robert Wyatt nie Art-Rocker im landläufigen Sinne war und auch nie Jazz gemacht hat, und doch alle Elemente dieser Stile in seiner Musik als das Seine auffing, um seine wunderbare »Wyatt-Musik« zu schaffen, hat das Kammerflimmer Kollektief nun die seine, die »Kammerflimmer-Musik«, gefunden. Einige Momente auf »Jinx«, insbesondere die mit »mouth«, könnten direkt dem Wyatt-Album »Rock Bottom« entsprungen sein: Es ist kein Zufall, dass die Vocals von Heike Aumüller in den Credits der Platte, etwa in »Both Eyes Tight Shut«, so benannt wurden wie schon damals bei Wyatt.
Wo früher Kürzel standen, kleine Ideen und oben erwähnte Rohheit, instrumentieren Thomas Weber, Johannes Frisch und Heike Aumüller heute zu Ende. Mit Cale’scher Violine, Saxophon, Pedal und Lap-Steel-Gitarren, getragen von Samples, Elektronik und Harmonium, kommentiert von einem in diesem musikalischen Genre an Gewandtheit und melodischer Prägnanz seinesgleichen suchenden akustischen Bass, wird das sechste Album des Kammerflimmer Kollektiefs zu einem weiteren Glanzstück im Katalog des avancierten Labels Staubgold und seines Betreibers Markus Detmer. Wie viel der Produzent Tobias Levin dazu beigetragen hat, dieses Album so werden zu lassen, ist von außen schwer zu beurteilen – dass er aber auch gar nichts falsch gemacht hat, muss man feststellen. So werden aus alten Fans neue.

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