Tracey Thorn
Out Of The Woods
Text: Mario Lasar
Tracey Thorns Musik zeichnet sich seit jeher durch unmittelbar einladende Gesten aus, auch wenn die Tendenz zu unterschwelliger Widerspenstigkeit stets gegenwärtig ist. Immerhin flirtete »Walking Wounded«, das letzte Album von Everything But The Girl (deren Sängerin sie war) im Jahre 1996 mit Drum’n’Bass-Versatzstücken – ein ziemlicher Bruch mit der Folk-Pop-Ästhetik, für die die Band seit den Achtzigern bekannt war. Die diffus elektronische Produktion von Ewan Pearson auf Thorns zweitem Solo-Album (das erste erschien 1982) setzt auf dezent konturierten Radio Pop, der eine angenehm beiläufige Selbstverständlichkeit vermittelt. Akzente werden durch die narrativen, lebensnahen Texte gesetzt, und auf diesem Gebiet bewies die Künstlerin schon immer besonderes Geschick. Die Single »It’s All True« ist so ein Idealfall, bei dem Text und Musik perfekt aufeinander abgestimmt sind. Ausgestattet mit einer erhebenden Synthie Pop Melodie, für die Metro Areas Darshan Jesrani verantwortlich zeichnet, scheint der Song die Rauschhaftigkeit einer idealen Clubnacht als Versprechen für die Ewigkeit einfangen zu wollen. Versprechen und Ewigkeit sind Schlüsselbegriffe, die demonstrieren, dass Thorn aus einer Zeit kommt, in der Musik darauf abzielte, in ihre Gegenwart einzugreifen. Wenn sie in »Reaching For The Ceiling« unter Nennung konkreter Namen wie Siouxie und Edwyn (Collins, lässt sich mutmaßen) die Aufbruchsstimmung der Punkzeit herbei sehnt, hat das dennoch nichts mit Nostalgie zu tun – gerade weil Stillstand beklagt wird. Die Charaktere in Thorns Songs sind oft in mentaler oder physischer Unruhe, tanzend in ungewisser Verliebtheit oder ihrer einengenden Umgebung entfliehend: Wie in dem Song »A-Z«, in dem die große Stadt – London – ein selbstbestimmtes Leben verspricht. Das ist auch das Schöne an dieser Platte: die prominente Stellung, die Orte einnehmen und die Art, wie sie mit bestimmten Stimmungen assoziiert werden. Hoffnungsvoll, wie im besagten »A-Z«, oder zum Heulen wie in »By Picadilly Station…«. Dazu passt, dass Thorn eine nur online erhältliche Coverversion des Pet-Shop-Boys-Songs »King’s Cross« aufgenommen hat – zumal die Pet Shop Boys ja wie sie selbst auch für die alte Schule der Inhalte und Haltungen stehen, ohne dabei den Glauben an moderne Formen aufzugeben.
LABEL: Virgin
VERTRIEB: EMI
VÖ: 27.04.2007

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