Shitdisco

Kingdom Of Fear

Text: Dennis Kastrup

Als Hunter S. Thompsons Asche vor ungefähr zwei Jahren mit einer Kanone in die Luft geschossen wurde, sind wohl einige der Partikel in Glasgow gelandet. Shitdisco haben sie eingeatmet, in kreative Energie umgewandelt und ihr Debüt nach dem letzten Buch des Gonzo-Journalisten genannt: »Kingdom Of Fear«. Die wahnwitzige Geschichte hinter den zehn Stücken trieft nur so von alkoholgetränkten Schweißcocktails. Die Kunststudenten der »Glasgow School of Art« fanden 2003 eine heruntergekommene Wohnung, in der sie fortan ausgelassene Parties mit 250 Leuten feierten. Glasgow hatte seine »Factory«, bloß hieß sie »61« (bennant nach der Hausnummer). Dort, zwischen Mosh-Pits und Schlachten mit der Polizei, trieben Shitdisco ihren epileptischen Disco-Punk in neue Hedonismushöhen. Fierce Panda ließen sich mitreißen und veröffentlichten die schnell ausverkaufte Single »Disco Blood«. Ein Monster, das bei jedem verkalkten Tanzmuffel die Muskeln zucken lässt! Vor dem inneren Auge bewegt sich die Meute im »61«, es wird gehüpft, dass sich die Balken biegen. Für viereinhalb Minuten scheint hier das Alltagsgerüst einzubrechen. Der Moment auf Parties, in dem jeder dem Nirvana nahe ist. The Rapture könnten ehrfürchtig in der ersten Reihe stehen und sich ärgern, dass es nicht ihr Song ist. Das ursprünglich als B-Seite veröffentlichte »I know Kung Fu« tritt in diese Fußstapfen, ebenso wie »Reactor Party«. Alle drei Veröffentlichungen stammen aus der Zeit jener Parties, die vergangenen Sommer ihr Ende fanden: Das »61« wurde von der Stadt dicht gemacht. Scheinbar ging so auch der Schwung ein wenig verloren, als sie die folgenden acht Stücke des Albums aufnahmen. Hier wurde scheinbar viel nachgedacht, was bei Disco-Punk eher schädlich sein kann.
    Trotzdem, der Anfang von »Kingdom Of Fear« reißt so dermaßen mit, dass auch der Rest im Strom der überschwappenden Euphorie elektrisiert. Die Violent Femmes haben einmal gefordert: »Dance Motherfucker, Dance!«. Shitdisco haben diese (Auf-) Forderung nicht nötig: Dieses Album bewegt von alleine.

LABEL: Fierce Panda

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 20.04.2007

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