Brett Anderson
Brett Anderson
Text: Gunnar Klack
Es gibt eine Reihe von großen Songwritern aus England, von denen jeder nicht nur ein beachtliches Gesamtwerk, sondern auch eine bewegte Geschichte vorzuweisen hat. David Bowie, Morrissey, Paul Weller, Damon Albarn, Brett Anderson, Richard Ashcroft und Jarvis Cocker haben über die Jahre, Jahrzehnte mehr oder weniger künstlerisch verfremdet ihr Leben mit dem Zuhörer geteilt, mit wechselnden Bands, zerbrochenen Musikerfreundschaften, Liebeskummer, Drogenproblemen oder schwankendem kommerziellen Erfolg und medialem Interesse. Jeder von ihnen ist so sein eigener Topos in der Popkultur geworden und bildet seinen eigenen Bezugsrahmen. Wer Brett Anderson sagt, sagt auch Suede, Britpop, The Tears und Bernard Butler. Natürlich gibt sich Anderson auf seinem ersten Soloalbum geläutert, aber dieser Egozentriker hat sich sowieso schon immer so bedingungslos zum Ausdruck gebracht, dass hier die große Selbstfindung ausbleiben kann.
»The More We Possess The Less We Own Of Ourselves« ist ein programmatisches Stück für ein Solodebüt, und »Song For My Father« hätte er niemals mit einer Band veröffentlichen können. Alles in allem jedoch klingen pathosgeladener Gesang und Melodien sehr typisch nach Brett Anderson. Wirklich überraschend hingegen ist, welcher Produzent die von Anderson und seiner Gitarre eingespielte Melancholie mit Piano und Streichern untermalt: Der junge Fred Ball aus Norwegen, bekannt für sein Synthie-Pop-Projekt Pleasure. Und der hatte bisher Glück mit Suede-Gründungsmitgliedern, bescherte ihm doch ausgerechnet die Stimme von Brett Andersons Exfreundin Justine Frishman den Hit »Don’t Look The Other Way«. Ball nahm vor einiger Zeit die Pleasure-Single »Back To You« mit dem Londoner auf und konnte den hinterher nur schwer davon überzeugen, das Lied – wie verabredet – nicht für das Album »Brett Anderson« zu verwenden. Am Ende behielt der Ex-Suede-Kopf zwar nicht den Song, aber Ball als Produzenten. Müßig wäre es, dieses Album mit den kreativen Höhepunkten Andersons vorheriger Bands zu vergleichen. Als einer von den zu Beginn genannten Musikern kann er beinahe gar nicht anders, als irgendwie phantastisch zu sein.
LABEL: V2 Records
VERTRIEB: RTD
VÖ: 23.03.2007

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