4hero

Play With The Changes

Text: Carlos de Brito

Dennis McFarlane alias Dego und Mark Clair alias Marc Mac gehören zu den wichtigsten Akteuren elektronischer Musik der letzten 15 Jahre. Selten im  absoluten Zentrum des Geschehens, vielmehr an den Rändern aktiv, waren sie dennoch einflussreich wie wenige andere. Seine goldenen Zeiten hatte das Duo 1998 als 4hero mit dem Meisterwerk »Two Pages«. Zahlreiche Preise und auch ein beachtlicher Stapel verkaufter Platten – Stichwort: Gold – künden von dieser Hochphase. »Creating Patterns« drei Jahre darauf bekam hingegen nicht die Beachtung, die es verdient hätte. Es folgten Compilations, Reissues und auch mal lange nichts. Als 4hero wohl gemerkt. Denn umtriebig sind die beiden Soundforscher stets geblieben, dazu später mehr.

Wie schon bei anderen Alben zuvor offenbaren die Linernotes, dass auch diesmal kein Song von beiden gemeinsam produziert worden ist. Das erinnert auf den ersten Blick an die Konstellation bei OutKast – die zwar zu
zweit, aber letztlich allein an jeweils ihrem eigenen Solo-Album auf »Speakerboxx/The Love Below« gearbeitet haben und in Wirklichkeit musikalisch nicht mehr viel gemein haben –, führt aber auf die falsche Fährte. 4hero ist keine auseinander gelebte Zweckehe. Dafür sind Dego und Marc Mac zu sehr Ausnahmeproduzenten, die auch alleine ihren Weg gehen
könnten – und tatsächlich auch gehen. 4hero ist vielmehr ein Team aus zwei Einzelkönnern, die es geschafft haben, nach langer Pause wieder ein Album zu veröffentlichen, das wie aus einem Guss klingt und dennoch die unterschiedlichen Entwicklungen beider vereint.
Marc ist und bleibt ein Freund der symphonischen Opulenz, der sagenhaften Streicher-Arrangements. Seine Beats sind gleichermaßen geschult vom Philly Funk als auch vom »Dirty Old Hip Hop«, wie bereits der Albumtitel seines Projekts The Visioneers sowie seine Solo-Alben als Marc Mac nahe legen.
Die Gerüste seiner Songs variieren zwischen Hiphop- und Drum’n’Bass-Beats, ohne dass man auch nur eines der Stücke der jeweiligen Musikrichtung zuordnen kann. Nachzuhören u.a. in »Morning Child«, das man getrost als Extension von »Les Fleurs« betrachten kann,
jener wunderschönen Minnie-Riperton-Coverversion, die in der 4hero-Version ebenfalls zum Klassiker avanciert ist.

Auch Degos Tracks sind eine Fortführung seiner Projekte. Ob solo u.a. als Pavel Kostiuk oder gemeinsam mit Kaidi Tatham & Co. als DKD und Silhouette Brown (siehe Spex 04/05): Hier stolpert der Beat verstärkt, hinkt, stellt Fallen. They call it Broken Beat. Die Auswahl an Instrumenten und deren Arrangements sind näher an den sonischen Exkursionen des Jazz oder des Detroit Techno als bei Marc.
Kleinteiliger, experimenteller, fordernder. Das kann immer dann, wenn eine E-Gitarre ins Spiel kommt, auch in die Hose gehen (siehe »Stoke Up The Fire«). Ansonsten sind seine Kompositionen aber durchweg gelungen. Als
Anspieltipp sei der Titeltrack »Play With The Changes« genannt, der es schafft, im ersten Teil wie eine Game-Show-Melodie voller Flöhe zu klingen, um sich im zweiten Teil zu einem butterweichen Kopfnicker zu verwandeln.
Der Kitt bzw. in diesem Fall der Honig, der die Ansätze beider zusammenhält, ist in erster Linie: Soul. Reich an gesegneten Stimmen,
wie z.B. Jody Watley, Ursula Rucker oder Terry Devos – der bei »Superwoman« tatsächlich wie Stevie Wonder klingt – und begnadeten Instrumentalisten wie u.a. Larry Mizell, ist ein Werk wie »Play With The Changes« in Tagen wie diesen selten und damit substantiell.

LABEL: Raw Canvas

VERTRIEB: RTD

VÖ: 23.02.2007

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