Low Drums And Guns

Eine Quadratur des Kreises ist auch das achte Album der zweitbekanntesten Musikanten aus Duluth, Minnesota nicht – eher eine weitere Ausfeilung ihrer bewährten Muster, hin ins mehrdimensionale Breitwandgemälde. Da tönt von links ein wattig gefilterter dick-diditt-didickeldickeldit-Beat, rechts setzt die Schweineorgel pro Takt einen Akkord und hinter einem klatschen vier Hände, leicht aus dem Takt, dafür mit Hall. Und schon skandiert der kopfstimmige Harmoniegesang: »It’s just a shame / My hand just kills and kills / There’s got to be an end to that.« Das kingt in seinem Pathos wie eine unironische Hommage an den  Genesis-Sound zu Peter Gabriels Zeiten, dessen späteren Schamanenlitaneien auch beim nachfolgenden »Dragonfly« Pate standen. Ziemliche Mainstream-Bezüge finden sich auch in »Always Fade« (Talking Heads) oder in »Your Poison« (Elvis Costello).

Wie eine große Spielwiese scheint das alles, die alles erlaubt – außer das vetraute Slowcore-Tempo hinter sich zu lassen. Dann passiert nämlich so was wie »In Silence«, das sich zum banalsten aller headbangtauglichen Vierteltaktmitgröhler auswächst. Zum Glück ist die Nummer nach 2:46 Minuten vorbei. Für diesen Fauxpas entschädigt die alte Reiseschreibmaschine in »Belarus«, einer eigentümlichen Reise in den Osten, wo ein leicht verschrobener Beat aus Bass, erwähntem Gebrauchsgegenstand und zwei hohen Klaviertönen mit einem Background-Geheul korrespondiert, das sich wie durch einen Kamm geblasen anhört. Der Refrain geht: »Belaruuuuuus«. Eine synkopierte Streichermelodie, jederzeit könnte ein Marsch einsetzen und Lukaschenkow ahnungslos zu salutieren beginnen.
Stattdessen wird kaum hörbar zum Ausgang gescratcht und ich salutiere dieser Sammlung kuscheliger Soundgeschichten zwischen Anachronismus und der eklektizistischen Moderne von, nun ja: 1995.

LABEL: Sub Pop

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 23.03.2007

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