The Jai-Alai Savant

Flight of the Bass Delegate

Text: Gunnar Klack

Da kann sich Bloc Party-Sänger Kele Okereke noch so oft beschweren, dass es rassistisch sei, ihn als Rocksänger auf seine dunkle Hautfarbe anzusprechen; es ist nunmal auch im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts so, dass Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit ihren Teil zu Sozialisation und Identität beitragen. Ralph Darden, schwarzer Rockmusiker, DJ, Multitalent, Zappelphillip und Haudegen aus Chicago könnte ihm auf dem Gebiet sicher noch eine Menge beibringen. Denn der bearbeitet das Verhältnis von Hautfarbe, Musikstil und Identität gerne mit der Brechstange, der akustischen. Man kann froh sein, dass es Leute gibt wie ihn, Cody Chessnutt, die Bad Brains, TV On The Radio oder Pharrell Williams, die dieses Thema wesentlich offensiver selbstbewusster angehen als Okerke.

    Außerdem ist Ralph Dardens Band The Jai Alai Savant ein schönes Beispiel dafür, wie man sich um Konventionen einen Dreck scheren kann, wenn man sie sich nur gut genug aneignet und im wahrsten Sinne des Wortes mit ihnen spielt. Das Beste aus Reggae, Noiserock, Hardcore und Pop haben sie auf »Flight Of The Bass Delegate« verbraten, einem Album, das obendrein thematisch so etwas ist wie eine Blaxploitation-Variante von »Yoshimi Battles The Pink Robots«. Dass das ein hoher Anspruch ist, der nicht über 13 Lieder durchgehalten werden kann, verwundert nicht. Obwohl einige maximal zwingende Stücke wie »White On White Crime« mühelos alle Stereotypen zu Disconebel verdampfen, zieht sich die Band immer wieder zu seltsam eintönigem Reggae-Rock zurück. Man hat den Eindruck, Ralph Darden bekam bei so viel Stilvirtuosität Angst, an Bodenhaftung in seinem eigenem Genre zu verlieren und wollte sich vorsichtshalber durch ein paar muffige Muckernummern Rock-Glaubwürdigkeit sichern. Trotzdem ist so eine Platte natürlich wichtiger als jede weitere zehntausendste Zementierung schwarzer oder weißer Rollenklischees.

LABEL: City Slang

VERTRIEB: RTD

VÖ: 05.04.2007

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