Steve Morell

Money, Fucking, Dancing

Text: Robert Defcon

MorellBildSteve Morell ist Hochenergetiker, ständig unter Strom, und er ist ein Idealist, der gerne teilt, wenn es darum geht, etwas Gutes voranzubringen.
Morell: »Alles, was du gibst, kommt eines Tages zu dir zurück.« Bei dem einen oder anderen wirtschaftlich riskanten Manöver gibt er zuweilen mit punkigem Grinsen mehr, als er sich eigentlich leisten könnte, aber Kompagnon Emma Eclectic, mit der er auch als DJ-Duo und Band The Scandals auftritt, sorgt inzwischen bei seinem Label Pale Music für ökonomische Vernunft. Morell: »Es geht nicht allein. Das Einzel-Individuum ist fehlgeschlagen.« So legen sie mit ihrer ersten gemeinsamen Platte Tracks für gemeinsame Fickstunden und durchrockte Nächte auf dem Dancefloor vor. Sie kommen gleich zum Punkt: Money, Fucking, Money, Dancing, Touching, Perfume, Licking ...

Die Botschaft ist einfach und klar. Mit seiner Offenheit, seinem produktiven Nirgends-Reinpassen, redegewandtem Charisma und mittlerweile weltweiten Kontakten hat Morell Berliner Wahnsinnige aller Nationen von Peaches über Alex Hacke bis hin zu Warren Suicide unter der Flagge des regelmäßig erscheinenden »Berlin Insane«-Samplers versammelt, den Morell einst mit seinem Wagen quer durch die Plattenläden karrte, um den neuesten Stylebreakern Gehör zu verschaffen. Morell: »Ich habe hundert Mal versucht, einen normalen Job zu machen. Das funktioniert einfach nicht.« Bei dem Stichwort »Independent« hingegen glühen seine Augen erregt auf: »Das Wort ist zu seiner eigenen Parodie geworden. Independent-Labels arbeiten oft Major-mäßiger als die Majors, halten sich aber für etwas Besseres.«

    Morell seinerseits geht lieber mit der Zeit, denn er will sein Ding durchziehen und seine Künstler pushen. Auf die allseits beklagten heftigen Umsatzeinbußen im CD-Geschäft reagiert Morell gewohnt radikal: »Die CD ist tot. Pale Music setzt ab Mitte des Jahres auf Vinyl-Pressungen und Online-Downloads.« Angst vor der Zukunft? Fehlanzeige: »Als ich angefangen habe, war ich nichts. Deshalb habe ich auch keine Angst vor dem, was kommt. Ich habe nichts zu verlieren.«

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