The Field
From Here We Go Sublime
Text: Carlos de Brito
Bei aller Selbstbeherrschung, dem Willen, es mit den Superlativen nicht zu übertreiben und dem zurückhaltenden, kühl nordischen Charakter der Platte gerecht zu werden: Man kommt nicht umhin, bei The Fields Debüt ins Schwärmen zu geraten. Durchgängig sehr gute Techno-Alben sind eine rare Spezies. Umso mehr, wenn ihnen auch noch der schwierige Spagat zwischen Wohnzimmer und Club gelingt. Doch Axel Willner setzt noch einen drauf: Mit »From Here We Go Sublime« könnte er Shoegazer, Glitch-Anhänger und Fans des schnörkellosen Techno seit langem mal wieder versöhnen. Wenn das mal nichts ist!
Mit seinen Projekten wie Lars Blek, Porte, Cordouan, James Larsson und als Teil von Speedwax hat der 29 Jahre alte Schwede eher melancholische Drone- und Ambientpfade beschritten. Auch sein Alter Ego The Field bleibt im Grunde sehnsuchtsvoll, will aber tanzen. Dafür paart Willner ätherische Patterns mit teilweise mikroskopischen Loops - wer an die skippenden CD-Player bei Oval denkt, liegt gar nicht so falsch - und umrahmt diese kleinteiligen und repetitiven Gebilde mit einer unbarmherzig gerade pumpenden 4/4-Bassdrum. Mit dieser Formel entstehen in sich versunkene Stomper wie »The Little Heart Beats So Fast« - bei dem eine Acid-Bassline für zusätzlichen Druck sorgt - oder »Over The Ice«, »Silent« und »Everday« mitsamt kurz geloopten und hallenden Sirenengesängen, die sogar älteren My Bloody Valentine- oder Slowdive-Fans ohne Scheu vor dem sattem Rumms gefallen dürften.
Ob hingegen Lionel Richie-Fans Willners Sezier-Arbeit des 80er-Jahre-Evergreens »Hello« in »A Paw In My Face« zu schätzen wissen, ist wahrscheinlich noch nicht überprüft worden und eher zu bezweifeln. Unzweifelhaft ist es aber ein Techno-Kleinod, dass erst zum ganz zum Schluß seine Herkunft verrät, nach dem es minutenlang nur mit kleinen Gitarren- und Synthie-Fragmenten des Originals ausgekommen ist. Der finale Titeltrack und mein persönlicher Favorit des Albums offenbart seinen Ursprung etwas früher: Just in dem Moment, in dem auch mit abstrakter Elektronik vertraute Hörer doch erstmalig befürchten, dass die CD hängt, lässt Willner los und erstmalig »I Only Have Eyes For You« von The Flamingos aus dem »American Graffiti«-Soundtrack (oder als Sample bei den Fugees) erkennen - um es sogleich abzubremsen, auf seltsam liebevolle Weise zu malträtieren und gemächlich verenden zu lassen. Wow!
LABEL: Kompakt
VERTRIEB: RTD
VÖ: 30.03.2007

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