Diverse
D-I-Y - The Rise Of The Independent Music Industry After Punk
Text: Detlef Diederichsen
Als Herausgeber feiner und durchdachter Compilations konnte sich das Londoner Haus Soul Jazz in den letzten Jahren einen untadeligen Ruf erwerben. Das vorliegende Produkt bestätigt ihn indes nicht.
Wobei der Ansatz zunächst ja ganz vielversprechend ist: also nicht die umpfste New-Wave-Compilation, weil’s gerade so gerne genommen wird, sondern ein Heranpirschen an das Thema über die ökonomische Seite, das Erblühen der Indie-Labels, das die musikindustrielle Landschaft in der Zeit nach 1977 ja tatsächlich enorm veränderte.
In der Auswahl der Titel spiegelt sich diese Idee jedoch nur insofern wieder, als dass jeder Song ursprünglich auf einem anderen Kleinstlabel veröffentlicht wurde. Ansonsten gibt es etliche logische Brüche: Es finden sich mehrere Titel aus den Jahren ’77 und ’78, also nicht der Zeit nach, sondern der Hochzeit von Punk. Der Rest spielt sich dann in den Jahren bis 1982 ab – was soll also dann ein einsamer Titel von 1986, der zudem von den schwer erträglichen Red Lorry Yellow Lorry stammt? Und während die meisten Acts zwar eher obskur sind, enthält die Auswahl auch bekannte Titel umfassend dokumentierter Bands wie Buzzcocks, Scritti Politti und Swell Maps.
Eine geschmackliche Handschrift ist auch nicht recht zu erkennen: So erfreulich es ist, mal wieder Kleenex, Patrick Fitzgerald und vor allem Thomas Leer zu hören, so wenig nötig erscheint die Exhumierung von A.P.B., Icon A.D. und The Frantic Elevators (oder sind die nur aufgrund der Mitwirkung von Simply Reds Mick Hucknall dabei?). Stattdessen hätte man vielleicht gerne mal wieder was von den Spherical Objects, Desperate Bicycles oder The Passage gehört. Um nur mal ein paar zu Unrecht noch nicht wieder entdeckte Wave-Protagonisten zu nennen.
LABEL: Soul Jazz
VERTRIEB: Indigo
VÖ: 23.02.2007

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