The Rakes

Ten New Messages

Text: Christian Rief

Eine der großen Ungerechtigkeiten der Musikwelt ist die Tatsache, dass man die wahre Größe mancher Bands und Platten erst erkennt, wenn einem ihre Epigonen über den Weg laufen. Im Falle der Rakes heißt das, dass a) ihr 2005er Debütalbum »Capture/Release« ein von Paul Epworth (Bloc Party, Maximo Park, Babyshambles) mit feinem Gespür für die notwendige Portion Dreck produziertes, anständiges Werk war, dessen beste Songs sich im besten Falle kaum hinter The Jam oder Wire verstecken mussten, und b) man in Bezug auf oben genannte Bands (plus Arctic Monkeys, The Strokes und die erste Franz Ferdinand) bei »Ten New Messages« abwinken muss. Zu unentschlossen ist die Idee, den rohen Geist der ersten Stunde durch vermeintlich bessere Hörbarkeit zu erweitern. Er wird nur ersetzt. Etwa durch den Versuch, die Nähe der Strokes aufzusuchen (»When Tom Cruise Cries«) oder Franz Ferdinands Tanzbodentauglichkeit zu erreichen (»Down With Moonlight«). Was dabei fehlt, ist Ferdinands Hüftschwung, die Tightness der Monkeys, die Lässigkeit und die großen Melodien von Maxïmo Park, die komplexe Wucht von Bloc Party. Die Strokes des dritten Albums zu kopieren, lohnt sich eh nicht, und von Wire und The Jam ist leider gar nichts mehr übriggeblieben. Also, was liegt hier vor: Pulver verschossen nach dem ersten Album? Verkrampfung ob der Aussicht auf eine mindestens mittelgroße Karriere? Angst vor der eigenen Kopie? Konkurrenzdruck? »Ten New Messages« ist leider genau die Form alternativer Rockmusik, die man heutzutage auf MTV vorgesetzt bekommt. Und da gehören die Rakes eigentlich nicht hin. Und, liebes Press Info: Wenn die Platte wirklich inspiriert wäre von »einer Kombination aus choraler Musik, der TV-Serie 24, James Bond-Melodien, Dichtern des ersten Weltkriegs und den Sugababes« (Zitat von Sänger Alan Donahue), dann wäre sie vielleicht richtig spannend geworden.

LABEL: V2 Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 16.03.2007

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