GusGus

Forever

Text: René Hamann

Letzte Ausfahrt Eurotrash. GusGus, das war einmal eine zwölfköpfige Superformation aus Island mit Gespür für feinste Elektronik mit Sentiment, wenn man so will, veröffentlicht auf 4AD. Kaum jemand, der nicht »Ladyshave«, ihren bislang größten Hit, auf irgendeiner Mixkassette hat. Jetzt veröffentlichen GusGus auf dem kleinen Label Pineapple, sind zu einem Trio geschrumpft und machen Technotrash, vollste Diskokugel voraus. Mit manchmal geil schrottigen Synthieflächen, einsilbigen Texten und immer schön Hall auf der Stimme (wenn denn gesungen wird) und Plexiglasscheiben zittern lassenden Donnerbeats. Das ist mitunter gar nicht so schlecht, kommt jedenfalls gut aus den Hüften und haut gelegentlich auch mal so zu, dass es weh tut. Insgesamt erinnert »Forever« tatsächlich an die ausgehenden 80er/frühe 90er, »You\\\'ll Never Change« und »Need In Me« klingen wie das lang verschollene Spätwerk von Technotronic (»Pump up the Jam«), auch lang verkannte Namen wie Snap! oder 2 Unlimited liegen, tja, gar nicht so weit weg. Eine Platte also, die nicht unbedingt sein muss, für Kirmesgänger und Freunde des Retrosounds aber ein Angebot sein kann, weil sie die vielleicht sophisticatere Variante (weil: läuft nicht in den Charts und in der Dorfdisko also auch nicht) zu den eben genannten Protagonisten darstellt. Die Melancholie, das Sentiment ist spurlos verschwunden, dafür singt die isländische Eurovision-Teilnehmerin Pall Oskar auf zwei Tracks. Einwerfen, ausflippen, herumhüpfen. Es sei denn, man kommt aus England.

LABEL: Pineapple Records

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 23.02.2007

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Eigensinniger Dance-Pop:

    [...] Die Isländer von GUSGUS flirten bekanntlich gerne mit jenen musikalischen Überbleibseln der Neunziger Jahre, die bierernste Musikliebhaber [...]

     
 
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