Destroyer
Destroyer's Rubies
Text: Wibke Wetzker
Hinhören lohnt sich bei Destroyer immer. Von Anfang an genau und gerne hinhören »from the E to the A to the K«, bedeutet in diesem Falle: von der übersteuerten E-Gitarre auf die wacker geschlagene Akustikgitarre und hin zur spanisch gezupften Konzertgitarre. »Neckisch« könnte man diesen Einstieg in das siebte Album der Kanadier nennen, vielmehr fungiert er aber als Ohrenöffner für die beinahe 10 Minuten ausschöpfende Balladerie, welche die Band rund um Daniel Bejars dem ersten Song »Rubies« einräumt. Eine Geduldsprobe gleich zu Beginn von »Destroyer's Rubies«, danach das wohl poppigste Album, das der Zerstörer je erschaffen hat. Lo-Fi war gestern und den Projektcharakter eines Singer-/Songwriter-Egos kann man Destroyer nun wirklich nicht mehr andichten. Destroyer sind eine Band und keine Nebenerscheinung der New Pornographers! Dass das Profil der Band so leicht an Bejar festzumachen ist, liegt nicht zuletzt an der herausragenden Stimme und der charakteristischen Vortragsweise des Frontmannes. Der nasale Erzählschwall eines Troubadours der »Oral Poetry« schwingt hinüber in »lalala«-Orgien aller Ortes, ein Bastard aus Bowie und Byrne und so viel mehr. »Destroyer's Rubies« hat diese »Ziggy Stardurst goes to the Piano-Bar«-Momente und mit »European Oils« und »Painter In Your Pocket« zwei unnostalgische Hits, die irgendwo zwischen The Whitest Boy Alive und Badly Drawn Boy stattfinden. Davor gibt es Blues, dazwischen wachsen »3000 Flowers«, deren verzerrter Sixties-Beat das therapeutische Konzept von Yo La Tengo von der Hypnose hin zur Bewegungstherapie verschieben, und danach gibt es wieder Blues: mit Countrygeschmack. Im Bonus Track gehen Destroyer gar unter die Elektroniker und verzichten für den Minimal-Opus »Loscil's Rubies« auf Bajars Gesang.
Ein großartiges Stück eklektizistische Popkultur, reflektiert und nie glatt.
LABEL: Merge Records
VERTRIEB: Import
VÖ: 21.02.2007

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