DJ Day

The Day Before

Text:

Palm Springs, Kalifornien. Mitten in der Wüste hinter Los Angeles werkelt DJ Day seit Jahr und Tag an einer Soundvision, die von HipHop- und Cratediggin’-Kultur ebenso geprägt ist wie von der schleichend apokalyptischen Bret-Easton-Ellis-Stimmung seines Heimatortes, eines überdimensionalen Golfplatzes. Diese instrumentale Sammlung aus Backkatalog, Remixen und unveröffentlichten Stücken ist eine exzellente Einstimmung auf Days für Herbst 2007 geplantes Debütalbum »A New Beginning«. Waren seine frühen Arbeiten wie das Stück »Close Your Eyes« noch recht deutlich an Abstract-HipHop-Vorbildern wie DJ Shadow angelehnt, griff der Mann aus dem Emanon-Umfeld zuletzt immer häufiger zu den charakteristischen Tasteninstrumenten der Fusion-Ära, zu den Fender Rhodes oder dem Hohner Clavinet, um damit harmonische Akkordflächen über seine staubigen MPC-Breaks zu legen. Im Gegensatz etwa zu Madlibs vertrackten Freejazz-Orgien transportieren Days Stücke jedoch immer auch jene südkalifornische Lässigkeit und unterschwellige Melancholie, die gleichzeitig entspannt und hintergründig bedrohlich wirkt. Nur ganz selten drohen seine Instrumentals abzurutschen in gefälligen Café-del-Mar-Schmutz, und stets bewahrt ihn dabei seine Geschmackssicherheit vor allzu krassen Ausfällen. Gefährlich nah am Grat zu den sterilen Niederungen der Starbucks-Welt bewegen sich allenfalls der Mo’-Horizons-Remix »Ay Y’ Nama« oder auch die brasilifizierte Eigenkomposition »Lucien«. Unantastbar bleiben hingegen Songs wie der zum Heulen schöne Landstraßenbegleiter »Four Hills«, der aufwärmende Floorfiller »Gone Bad« oder das Afrika Bambaataa zitierende »What Planet What Station«. Den einzigen Vokalbeitrag liefert der Lieblingsbarde aller intellektuellen B-Boys, Aloe Blacc, auf dem stimmungsvollen Downtempo-Cut »Closer«. Ein perfekter Begleiter für milde Frühlingstage und laue Frühsommerabende, auch ganz ohne Milchschaum und Haselnussaroma zu genießen.

LABEL: Melting Pot Music

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 16.03.2007

Weiterführende Artikel

  • Lefties Soul Connection Um es vorwegzunehmen: Die Bezeichnung »Hutspot« ist keine neue Slanglingo, sondern der Begriff für ein holländisches Eintopfgericht, was aber beileibe nicht bedeutet, man h&au...
  • Lefties Soul Connection In Expertenkreisen gilt die Lefties Soul Connection aus Amsterdam schon lange als Aushängeschild des modernen Rare Funk, ihre Einspielung des DJ Shadow-Tracks »Organ Donor« ist so ...
  • DJ Shadow Auf der Suche nach Tiefe. Dem Gefühl der ersten Massive Attack, Portishead, zweiten Air. Wie hieß noch mal seine letzte? Ach ja, »The Private Press«. Aber irgendein Stüc...

Kommentiere den Artikel


Spex International
Read more English Spex articles

Blogs