Radicalfashion
Odori
Text: Carlos de Brito
Mit den Klängen elektronisch nachempfundener Wassertropfen, die auf metallische Gefäße treffen, eröffnet Hirohito Ihara, auch unter dem eher abschreckenden Namen Radicalfashion bekannt, sein Debütalbum für das Chicagoer Spezialistenlabel Hefty. Um im nächsten Stück den nichts ahnenden Hörer zugleich mit einem klassischen Pianostück zu überraschen. Nach wenigen Tracks wird klar: Der aus Kobe stammende Ihara verbindet auf »Odori« Tradition und Postmoderne in eigentümlicher und sehr gelungener Form. Dass er Maurice Ravels »Piano Concerto in G« als ein zentrales musikalisches Erweckungserlebnis nennt, verwundert keineswegs: Sein Pianospiel ist Atmosphäre, Textur mit sanftem Anschlag. Gleichzeitig wirkt es aber auch verstörend: skizzenhaft, improvisiert und mitunter betont dissonant. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Einsatz elektronischer Stolpersteine und Oval’scher Vokalfetzen und -loops, die den sphärischen, verträumten Fluss Piano-induzierter inconciousness immer wieder brechen. Und doch wohnt »Odori« eine Leichtigkeit inne, die diese Platte entgegen erster Vermutungen nicht zu schwerer Kost, sondern zu einem idealen Begleiter einer tagträumerischen Zugfahrt machen. Als Einstieg zu diesem Album der Gegensätze seien die Tracks »Suna«, »Shunpouduh« und »Photo Dynasmo« empfohlen. Ein Shortplayer, der nach schnell verflogenen 33 Minuten oftmals noch eine weitere Runde drehen darf und muss, weil er auf wundersame Weise abstrakte Elektronica, musique concrète und ein klassisches Pianoalbum vereint, ohne gänzlich zu verkopfen. Das klingt vielleicht radikal, ist aber zweifelsohne frei von Fashion.
LABEL: Hefty
VERTRIEB: mdm / Alive
VÖ: 09.02.2007

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