Hi-Tek

Text von Philipp Lembke
am 14. Februar 2007

Schockierend ist es vielleicht nicht gerade, aber dennoch selten. Tony Cotrells Karrieremorphung vom Architekten der goldenen Rawkus-Ära hin zum Talentscout für Dr. Dres Label Aftermath zeigt eindeutig, wie man Langlebigkeit und Pluralismus lebt, ohne je den Rucksack abgelegt zu haben oder den Moet zu negieren. Von Black Star zu 50 Cent sind es – Inhaltliches mal außen vor gelassen – eben doch nur ein paar Mal Knopfdrücken auf der MPC. Gerade das macht »Hi-Teknology 2« zu einem Werk, das durchaus das Beste aus diesen zwei Welten verbindet. Interessante Sounds im Hier und Jetzt, pulsierende innovative Patterns (herrlich bei »March« mit Busta Rhymes) und gereimte Unterstützung von allen Küsten machen deutlich, dass seine eigene Einschätzung, wonach er das Beste aus jeder Region nahm, um es zu einem eigenen Sound zu verschmelzen, zutrifft. Schon allein der Opener »Keep It Movin« zeigt, was für viele immer noch einen anstrengenden Spagat bedeutet: Kurupt von der Westküste und Q-Tip aus NY zusammen auf einem entspannten Beat, der allen Protagonisten den nötigen Raum lässt. Die Kunst der korrekt gesetzten late clap hat Mr. Cotrell aka Hi-Tek bereits im letzten Jahrtausend gemeistert, begeistern tut dieser abgehangene Produktionsstil weiterhin, z.B. beim Dre-esquen »1-800-Homicide« mit einem Game, der genau auf den Punkt kommt, oder etwa bei »Let It Go« mit einem nach wie vor herrlich krumflowenden Talib Kweli und der Neuentdeckung Dion, dessen Gesang sich sehr gut in die Tek’sche Soundwelt einfügt. Wenn dann noch mit Devin the Dude, Bun B und Pretty Ugly der Süden seine Stärken zeigt, wiedererstarkte Helden des großen Apfels wie Raekwon und Ghostface solide Zeilen liefern und Nas über einen hypnotischen Flötenloop bei »Music For Life« erneut beweist, wie begnadet er mit Reminiszenzen umzugehen weiß, kann nichts mehr schief gehen. Diesen Pluralismus mag man Hi-Tek zum Vorwurf machen und als Anbiederung verstehen, genauso kann aber Freude darüber aufkommen, dass hier trotz »Produzentenalbum« und »Mixtapezeitalter« wohlige Wärme in der Seele aufsteigt und die Nackenmuskulatur wieder mal ernsthaft beansprucht wird. Und früher war auch nicht alles besser.

LABEL: Babygrande

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 20.10.2006

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