The Decemberists
The Crane Wife
Text: Marko Markovic
Jede Aporie verdient es, aufgehoben zu werden. Als die Decemberists auf der »The Tain«-EP von 2004 sogar gestandene Fans mit einer Aporie zwischen Black Sabbath und Neutral Milk Hotel verwirrten, verschob man die Frage qua dem im Jahr darauf folgenden »Picaresque«, das ihren Ruf als verquere Spinner und Posterboys des Nullziger-Indies zementierte; Helden, denen überinterpretierende Fans und Journalisten erklären wollten, was Handys sind. Sie waren überreif für ihre Schlüsselplatte: Jene, ab der es nie mehr oder nur mehr bergab gehen sollte. »The Crane Wife«. Was tun? Schließlich singt Colin Meloy nun: »Go to sleep now / Little ugly / Go to sleep now / You little fool«, und man hört seine eigene Gänsehaut flüstern: Der meint sich selbst damit. Diese Platte weiß offensichtlich, wovon sie spricht. Sie weiß, wie sie es sagen soll. Und sie weiß, wie es klingen muss: Tucker Martin und (once again) Chris Walla sind verantwortlich für das herrliche Poltern, die stoisch-gespenstische Ruhe, die epischen Trennungsschmerzen dieser Platte. Ersterer hat übrigens auch Laura Veirs produziert, die uns bei »Yankee Bayonet (I Will Be Home Then)« um Kopf und Kragen singt. Wenn diese Platte eines bewirkt, dann hoffentlich, dass ein paar Indiekids sich den Backkatalog dieser Dame zu Gemüte führen. Aber was ich eigentlich sagen will: Meisterwerk. Eines, das sich dann auch traut, in der Laut-und-Leise-Dynamik, in der Frage, wie wild diese Schönheit sein kann, seine Trümpfe auszuspielen. Die Aporie ist in diesen unfassbaren Songs in dreifachem Sinne aufgehoben: Sie ist wie ein Gesetz, das man nicht mehr braucht, entkräftet. Sie ist wie ein Gewicht, das kein Geschenk mehr ist, auf eine neue, höhere Ebene erzwungen worden. Und sie ist wie ein Schatz aus ihren alten Seefahrerklischees, wie eine Erinnerung, ohne die man nicht atmen kann, gerettet, aufbewahrt und für uns alle zugänglich gemacht worden. Allein für so viel Händchenhalten verdient diese Platte all unsere Aufmerksamkeit.
LABEL: Capitol
VERTRIEB: EMI
VÖ: 02.02.2007

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