Locas In Love

Saurus

Text: Carsten Sandkämper

Die »Sachen«, die uns beschäftigen, ohne wichtig zu sein, ohne Leidenschaft zu erfordern, sie halten uns auf, zurück und in engen Kreisen gefangen. Gleichwohl sind es die Dinge, um die herum Locas In Love ihr grandioses Album aufbauen. Ja, ich scheue mich nicht, dieses Adjektiv hier und jetzt zu betonen. Musik, die nicht aus dem Alltag oder vor dem Gegenüber flieht, die denkt, fühlt und weitererzählt, was in den Gedankenwelten eines Frank Spilker oder Jochen Distelmeyer jemals eine Rolle gespielt hat. Auf der Suche nach Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Nähe zelebriert diese Band in großformatigen Popsongs schlichtweg echtes Storytelling, unkodiert und lyrisch liebevoll in Szene gesetzt. Jenseits von Floskeln zu texten kann ja bekanntlich ganz schön in die Hose gehen. Nicht so hier. Schönstes Beispiel ist hier sicherlich die völlig unpeinliche Ödnis-Beschau des »Hauses deiner Eltern« in »Egal wie weit«. Locas´ Geschichten spielen sich in jedem Leben ab, gehen raus in den Alltag. Gut so, und eigentlich der einzig richtige Weg.
    Die Musik trägt die Worte weiter. Ein fast unfassbares Amalgam aus Einflüssen lässt »Saurus« musikalisch leuchten. Nervös fuchtelt meine Hand im Nichts herum, um die Bands vor meinem geistigen Auge zu erhaschen, die in der Referenzliste an mir vorbeirauschen. Ist es nun blöd, Weezer, They Might Be Giants, Sonic Youth und Bright Eyes als exemplarische Big Shots aus dem Register zu ziehen? Wer kennt schon noch Geschmeido? Was ist eigentlich die hiesige Entsprechung zu Americana? Ist »Rosa Mond« nun wirklich eine Anspielung auf Nick Drake? Okay, das führt zu nichts ...
    Gleichzeitig aber klingt das Album – Vorsicht, Floskel! – so reif und aus einem Stück gehauen, dass ich mich immer wieder vergewissern muss, wie jung diese Band ist. Mehr als das und die Tatsache, dass Kollege Jan Niklas Jansen neben SPEX auch diese Band mit seiner Kreativität befeuert, weiß ich nicht über Locas In Love. Was egal ist, denn nach einem Hördurchgang ist die Band ohnehin ein guter Bekannter – und für meine allerletzte SPEX-Rezension wohl der schönste Gegenstand, den ich mir wünschen konnte. Danke.

LABEL: Sitzer Records

VERTRIEB: Virgin

VÖ: 09.02.2007

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