Eleni Mandell

Miracle Of Five

Text: Christian Rief

Unerwiderte Liebe und desolate Beziehungen waren noch selten die schlechtesten Grundlagen, wenn es um Songwriting ging. Eleni Mandell, Punk-sozialisiert in ihrer Heimatstadt Los Angeles, Kunststudium in Berkeley und musikalisch befeuert durch Tom Waits und Chuck E. Weiss, kann einen Barjazz-Blues davon singen. Nach Veröffentlichung ihres Debütalbums »Wishbone« (1999) bereits mit dem Stigma der prognostizierten großen Zukunft behaftet, ist sie dann doch irgendwie stecken geblieben in wohlwollend besprochenen Platten und ökonomisch überschaubaren Erfolgen. Zeit für ein Break also. »Miracle Of Five«, ihr sechstes Album, eingespielt u.a. mit X-Drummer DJ Bonebrake und Gitarrist Nels Cline (Wilco), beinhaltet »the most positive and hopeful songs I´ve written«. In den schlechteren Momenten erzählen uns diese Songs von Salzstreuwagen im Wintersturm als Metapher für Leben und Liebe (»Salt Truck«) oder von der wundersamen Beschaffenheit menschlicher Finger (»Miracle Of Five«).

Dieser etwas krampfhaft wirkenden Introspektion steht teilweise große Songwritingkunst gegenüber, die das selbst gesteckte Referenzspektrum zwischen Hank Williams, Bob Dylan, George Gershwin und Nina Simone eindrucksvoll bestätigt und mit ihren Old-School-Devotionalien wie gerührtem Besen und (digital produziertem?) kratzigem Background Mandells kindliche Hörerfahrungen ästhetisch konserviert: Der Vibraphon-Walzer »Girls«, locker dahinpendelnd zwischen der Schwerelosigkeit der Handsome Family und der unnahbaren Intimität von Suzanne Vega oder Brenda Kahn (falls die noch jemand da draußen kennt: der ist sie oft ganz nah!), der beschwörende Fake-Oriental-Steh-Blues »My Twin«, für den sich Tarantino eine Hand abhacken würde, oder »Somebody Else«, das mit seinem psychedelisch flirrenden Untergrund auch den neuen Mountain Goats gut zu Gesicht stehen würde. Bleibt unterm Strich ein schönes Album mit allen denkbaren Einwänden, die dieses Attribut begleiten.

LABEL: V2 Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 05.02.2007

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