Denzel + Huhn

Paraport

Text: Frank Eckert

Auf die Musik der nicht mehr ganz jungen Herren Bertram Denzel und Erik Huhn, die wie To Rococo Rot und Tarwater der Ex-DDR-Avantgarde um die Band »Ornament und Verbrechen« entstammen, bin ich vor einigen Jahren in einem kleinen Plattenladen in (of all places) Osaka gestoßen. Vor dessen Ladentheke wurden auf einem ziemlich großen und offenbar auf fernmündlichen Zuruf handbeschrifteten Pappschild die Vorzüge der »Berlinu Electronic« von »Dancer + Hunn« angepriesen. Die Nachfrage, um wen es sich denn handele, ergab, dass ich einem Lautverschiebungsfehler und dem Debüt von »Denzel + Huhn« aufgesessen war. Ein schönes Missverständnis, denn auch die damals noch als Glitch/Breakbeat klassifizierbare Musik der beiden hatte schon eine angeschrägte Eigenheit und detailversessene Güte, die sie von der Flut der epigonalen »Autechre-Light«-Electronica abhob.

Gute fünf Jahre später sind sich die beiden ihrer damals eher unterschwellig eingesetzten Stärken wohl endgültig bewusst geworden und haben mit »Paraport« ein Album gemacht, das mindestens zu einem ausgereiften zeittypischen Referenzwerk werden kann. Ein Album von Musikern auf der Höhe ihres Könnens wie ihrer Inspiration. Ein üppiges, fast schon enzyklopädisches Kompendium der Möglichkeiten und Schönheiten aktueller, nicht primär auf Tanzbarkeit ausgerichteter elektronischer Musiken und Spielweisen, das die Klischeefallen der digitalen Klangwelten munter umschifft. Ein derart gehaltvolles Album, das in der Fülle seines musikalisch-praktischen Wissens – von Ambient und Psychedelik über Krautrock zu milder Neuer Musik – nie nervt oder angeberisch aufschneidet, gab es in diesem musikalischen Biotop schon ziemlich lange nicht mehr. Vielleicht die beste Platte, die das CCO-Label bisher herausgebracht hat.

LABEL: City Centre Offices

VERTRIEB: Hausmusik

VÖ: 05.02.2007

Diesen Artikel kommentieren?

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar schreiben zu können.

Solltest du noch kein Benutzerprofil haben, so kannst du dich hier registrieren. Bitte beachte: wir schätzen die Debatte, allerdings bevorzugt mit echten Menschen. Dein Username sollte daher aus Deinem vollen Namen, wenigstens aus Deinem Vornamen bestehen.

 
MySpex
Willkommen auf Spex.de
Du bist derzeit nicht angemeldet.
Um Artikel kommentieren zu können, musst du dich registrieren bzw. anmelden. Solltest du bereits auf Facebook registriert sein, so kannst Du auch diesen Login nutzen.

Login
Registrieren
 

  • Redaktionscharts 2011



    Die Spex-Redaktion hat die 30 wichtigsten Songs und Alben des Jahres kompiliert. Plus ByteFM-Stream.
  • Die neue Spex #336

    Spex #336 Teaser

    Die neue Ausgabe Spex #336 ist ab dem 16. Dezember im Handel erhältlich, u.a. mit Newcomerin Lana Del Rey, David Lynch als Musiker, Occupy Wall Street mit Mark Greif, The Black Keys und dem Jahresrückblick RE: 2011.

    Außerdem: Gordon Matta-Clark, Miguel Adrover, Frank Miller, Rodarte, Mary Bauermeister, Drive, Veronica Falls, Sepalcure, Das Racist, Winfried Menninghaus, Niobe, Let Me In u.v.m.

    Dazu: Die Spex-CD #100 mit 15 Titeln und einem tierischen Foto von Juergen Teller.
  • Vernetzen

    Spex auf Facebook
  • Gezwitscher

  • Spex abonnieren

    Spex im Abo mit Prämie

    6 Hefte ¬ 6 CDs ¬ nur 30 Euro
    Immer 1 Woche vor Kiosk frei Haus
    Jetzt abonnieren!

Spex International
Spex International
Selected Spex contents in English
  • Daniel Miller & Patrick O’Neill of Mute on their new label
    Thomas Vorreyer | 28.01.2012 um 16:01
  • Talking music history with Debbie Harry and Chris Stein
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
  • »Since I’ve become an artist my mother is proud of me«
    Jan Kedves | 28.11.2011 um 00:11
more

Neueste Texte
  • Compilation: »Format«
    Sebastian Hammelehle | 10.02.2012
  • Verlosung: Soundtrack zu Nicolas Winding Refns spektakulärem »Drive«
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012
  • Verlosung: Kontrabassist Baldwin heute bei »Kometenmelodien« in Berlin
    Thomas Vorreyer | 09.02.2012

Blogs

-->