Candie Hank

Groucho Running

Text: Carsten Sandkämper

Patric Catani sagt mit seinem Durchdreher-Alter Ego Candie Hank bei Sonig »Guten Tag«. Mal ehrlich: Mag er auch im Moment genau dorthin gehören, so wäre es fast schon enttäuschend, wenn seine Ideen nun endgültig in einem Hafen mit Trockendock festgemacht hätten. Er war E De Cologne, Test Tube Kid, EC8OR und Kollaborateur von Gonzales, Angie Reed, Hanayo, Puppetmastaz, Mouse On Mars sowie vielen weiteren mehr.
    Um es sich einfach zu machen, könnte man sagen, Candie Hank hätte sein Elefantengedächtnis einfach in ein Album geschüttet und die Einflüsse der vergangenen Jahre so lange zusammengewürfelt, bis er keine Lust mehr hatte.     Tatsächlich klingt »Groucho Running« wie ein musikalischer Zufallsgenerator, der mit Stilen und Fallbeispielen aus 50 Jahren Kulturgeschichte gefüttert wurde. Neben exzessivem Gebrauch von Sampleillustrationen im Stile von Wevie Stonder oder Stock, Hausen & Walkman ballert Candie Hank einen Slapstick-Track nach dem anderen raus, soundseitig irgendwo in den 80ern stehen geblieben und per Midi durch einen Zeittunnel mit schäbigen Digitalsynthesizern des sterbenden 20. Jahrhunderts verbunden.

    Der eindimensionale Festplattenwahnsinn, dem man sich schon mal voll und ganz hingeben muss, um ihn nicht als total nervig zu empfinden, wird durch energetische Features von MC Blade im grandiosen »We All Go Die Tonite« und Angie Reed im verstörenden »Booty Bank« gekontert, sodass am Ende bei aller Zerfahrenheit tatsächlich das Gefühl dabei herauskommt, man hätte ein »Album« gehört.
    Alles in allem rutscht »Groucho Running« als Einfallskompendium eines komplett Verrückten mit perfekter Stilunsicherheit zwischen allen Barhockern hindurch auf die Tanzfläche, um dort laut »Polka« anstatt »Disco« zu schreien. Zu vorgerückter Stunde, auch das weiß Catani aus langjähriger Erfahrung, ist das allerdings mitunter die Rettung der Party.

LABEL: Sonig

VERTRIEB: RTD

VÖ: 03.11.2006

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