Bonobo
Days To Come
Text: Wibke Wetzker
Simon Green hat eine Nische innerhalb des Ibiza-infizierten Ambient-Sounds entdeckt, die er mit Eloquenz füllt. Herausragender Beweis dafür ist »Nightlite«, das bereits als 7-Inch veröffentlicht wurde und auf Bonobos drittem Album »Days To Come« zu finden ist. Was wie eine Nummer von Morcheeba beginnt, halluziniert plötzlich die exotischen Klänge einer Huqin (asiatisches Streichinstrument) nebst sparsamem Gebrauch einer Orgel an Tamburin, und etwas Trompete darf auch nicht fehlen. Ein geniales Arrangement, das Verachter der Chillout-Bewegung ungläubig immer wieder zum Hinhören zwingt. Lässt der Typ da tatsächlich die eh schon bizarre Anordnung in Gitarre, Banjo, Klavier und Glockenspiel ausklingen? Und dabei bleibt alles in organischer Harmonie verhaftet. Reich instrumentiert ist das gesamte Werk, an einer relaxten Schnur aus Beats aufgehängt und zumeist vom Gesang Bajkas begleitet, deren Stimme die Fusion aus Jazz, Latin, Funk, Soul, Dub und TripHop mit einer Klasse irgendwo zwischen Billie Holiday und Shirley Bassey versieht. Bei der Offensichtlichkeit von Downtempo und Breakbeat will es Bonobo nicht belassen und setzt stattdessen auf die Schwere aus dem Jazz, die uns in schläfrige Trägheit wiegt, oder den mondänen Sound eines Ennio Morricone. In »If You Stayed Over«, auf dem Labelkollege Fink singt, zeigt diese Art Monaco-Sound sogar Interesse am Indiepop und steigt mit Streichern, einem valiumgeladenen Bass und Flöte in den Whirlpool. Genregrenzen sprengen bis zum nächsten Sonnenaufgang.
LABEL: Ninja Tune
VERTRIEB: RTD
VÖ: 29.09.2006

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