Snoop Dogg

Tha Blue Carpet Treatment

Text: Lars Brinkmann

Der Meister der Dada-Rhymes, der Form-Over-Substance-Flowmaster, der Rap-Star mit der kalten Hundeschnauze ist endlich wieder dort angekommen, wo schon immer alles scheißegal war, wo sich nach wie vor Original Gangstas und (andere) Proleten mit dem Charme von Sackläusen um ihren kümmerlichen Restverstand amüsieren, wo sich erwachsene Menschen mit grimmiger Entschlossenheit an OP-modifizierten Körperteilen erfreuen, wo leere Raps? so korrekt wie eine vorgebliche Latex-Allergie? den Mythos vom unbesiegbaren, potenten Alphadog mit jeder Menge heißer Luft aufpolstern. Es finden sich ein paar gute Gründe, »Tha Blue Carpet Treatment« in den Crip-blauen Himmel zu loben? Snoops bestes Album, seit ihm der Doggy verlustig gegangen ist, glänzt mit einer beeindruckenden Fülle an Produktionen von Amerikas Besten. Wirkten in den letzten Jahren selbst Typen wie Timbaland und Dr. Dre nur noch wie ein Schatten ihrer selbst, beweisen sie hier, warum ihre Arbeit so königlich entlohnt wird.
    Ungefähr zehn der zwanzig Tracks empfehlen sich dann auch als Hitauskopplungen, und nicht nur darin scheint »Tha Blue Carpet Treatment« den ersten Meilensteinen »The Chronic« (92) und »Doggystyle« (93) mehr als nur ebenbürtig. Vielmehr konzentriert sich in dem mit 78 Minuten keine Sekunde zu langen Alterswerk alles, was diese Kultur so verdammt anziehend gemacht hat. Nicht zuletzt ist Snoops elegant dahingleitende Stimme in ihrem Schmeicheln fast so greifbar und taktil wie die Hood-Uniform der alten Tage, als eine fabrikneue Jeans, blütensaubere Converse und ein frischer Kappu noch reichten, um als Styler repräsentieren zu können. Eine Attraktivität dieses süßlichen, von kitschig-klebrigen Klischees bestimmten Westcoast-Sounds findet sich seit jeher in der Dichotomie von Sonne und Dunkelheit, von Spaß und Tod. Während formal auf »Tha Blue Carpet Treatment« die Bilder und Vibes ewige Leichtigkeit vortäuschen, lässt der allgegenwärtig aufblitzende Hass keinen Zweifel am realen Leben in dieser Männerwelt. Auf seine eigene verschrobene Art ist das ehrlicher als alle »Keep It Real«-Beschwörungen ? ich warte nur darauf, dass im nächsten Video hinter dem hüpfenden Pimpmobil knapp neben Snoops unnatürlich aufgeblasener Begleiterin ein Typ mit einem »Will kill for food!«-Schild auftaucht. Auch wenn der geballte Frauenhass bei mir ein ähnliches Gefühl hinterlässt, als hätte ich den »Hustler« für seine Artikel gelobt, kann ich mich der hintergründigen Magie kaum entziehen. Oder auch: Das bounced so geil ...

LABEL: Geffen / Universal

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 17.11.2006

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