Benni Hemm Hemm

Kajak

Text: Mario Lasar

Ja, das ging schnell. Gefühlte zwei Monate nach dem Debüt des Isländers schon das zweite Album. In Wirklichkeit datiert das selbstbetitelte Erstlingswerk bereits von 2005 und ist lediglich hierzulande erst letztes Jahr erschienen. Wieder hat Herr Hemm Hemm das Blasorchester ins Sigur Rós-Studio eingeladen, und wieder geben die Holz- und Blechinstrumente den an sich fragilen Songs einen festeren Halt. Die Arrangements haben allerdings nichts mit Soul gemein, dafür sind sie nicht rhythmisiert und konturiert genug. Eher scheinen die Bläser eine verschwommene Linie zu beschreiben, die der weichen, durchlässigen Begrenzung der Musik entspricht.
    Die Tatsache, dass Herr Hemm Hemm jetzt nur noch isländisch singt, erhöht die exotische Ausstrahlung der Platte, auch wenn es sie nicht unzugänglicher macht. Wahrscheinlich kommt einem Isländer Blumfeld genauso kauzig vor wie mir diese CD (und manchmal auch Blumfeld). Der Musik gelingt es auf zwei unterschiedliche Weisen, feierlich zu wirken. Entweder in Form in sich gekehrter Trauerverstärkung oder als vorwärts drängender Sturm voller Siegesgewissheit. Dabei gibt es auch innerhalb dieser beiden grundsätzlichen Muster noch Brüche, die manchmal an die dramaturgische Struktur von Arcade Fire-Stücken erinnern. Kunstpausen, die ein neuerliches Anschwellen der Musik einleiten, verleihen den Songs eine punktuell statische Qualität, aber die Punkte verbinden sich eben doch immer zu einer (geschlängelten?) Linie. Es gibt hier allerdings auch richtig komische Lieder, die an New-Orleans-Trauermärsche oder Zithermusik von der bayrischen Alm denken lassen. Soll das so, oder ist das meine verquere Wahrnehmung? Mein Lieblingslied ist, glaube ich, das repetitiv verschwurbelte »Mónakó«, das aber leider nur ca. 110 Sekunden dauert. Insgesamt eine schöne, scheinbar weltabgewandte Platte (weil sie aus Island kommt?), nur die wenig zielgerichteten Leerlauf-Passagen, in denen die Musik den Atem anhält, nerven ein bisschen.

LABEL: Morr Music

VERTRIEB: Hausmusik / Indigo

VÖ: 19.01.2007

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