Tilly And The Wall

Bottoms Of Barrels

Text: Dana Bönisch

Es muss ein großes, immerwährendes Fest sein, das die alte Omaha-Klitsche irgendwo da drüben feiert: Unermüdlich nimmt man sich mit auf Tour, leiht sich hier und da eine Cellistin, trinkt auf den Bühnen der Welt Rotwein aus Kelchen, heiratet untereinander, signt sich gegenseitig. Man kann niemandem verdenken, von der inzestuösen Großfamilie um Opa Oberst ein bisschen genervt zu sein. Solange denn auch schön differenziert wird: Bei Tilly And The Wall zum Beispiel, herkunftsgemäß mit dem halben Saddle Creek-Katalog verquickt, erste Band auf Team Love, dem Label von Conor Oberst, machen zwar auch Jungs und Mädchen mit, die sich gerne alte Trompeten von alten Freunden leihen (das betont der Promo-Text); trotzdem hat man Omaha hörbar weit hinter sich gelassen.
    Tilly And The Wall setzen nicht nur Celli, Bläser und anderen sinfonischen Schnickschnack ein, wie es heutzutage jedes Indie-Orchester tut, das was auf sich hält, sondern rütteln auch zart an den klassischen Besetzungs-Grundfesten: Eine bezaubernde Stepptänzerin ersetzt zumeist den Drummer, gelegentlich unterstützt von Handclaps und Fußgestampfe der euphorisierten Band und einem – sparsam eingesetzten – Drumcomputer.
    Naturgemäß metallischer, dichter und näher als herkömmliches Getrommele klingt das, garantiert sowohl Niedlichkeitseffekt als auch Einzigartigkeit. Des Tillys Experimentiertrieb hat sich seit dem ersten Album kaum vermindert, auf »Bottoms Of Barrels« wechselt man nun sogar zeitweise die Tanzschuhe: Der Flamenco-Bastard »Bad Education« verspricht zu Anfang sogar Großes, gleitet dann aber dank einer schmierigen Touristenfallen-Geige und allzu reinlichen Mädchenstimmen in eine blöde Sommerhit-Parodie ab. Angesichts abbaesker
Chöre und immerneuer Rhythmus-Tricks beginnt man dann trotzdem, an dieses atemlose Wunderding von Album zu glauben. Bis er schließlich doch noch stattfindet, der befürchtete Einbruch der Conoroberstigkeit in unser kleines, merkwürdiges Stepptänzeruniversum: »Oh, it’s so strange how the world becomes so pale«, klagt Derek Presnall, halb Mensch, halb Tremolo, in »Love Song«. Omaha halt. Niemals geht man so ganz.

LABEL: Moshi Moshi Records

VERTRIEB: Cooperative Music/RTD

VÖ: 29.09.2006

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