Pavement
Wowee Zowee
Text: Mario Lasar
Der sperrige Nachfolger des 94er Hit-Albums »Crooked Rain, Crooked Rain«. Näherte sich jenes Album schlüssigen Songstrukturen und Mitsing-Refrains an, so beeilte sich die vorliegende Platte, wieder Distanz zu allzu nachvollziehbarem Songwriting herzustellen. In dieser Hinsicht entspricht das Album eher dem chaotischen Aufbau von Pavement-Konzerten, bei denen man öfter mal das Gefühl hatte, die Band verfolge die Absicht, ihre Songs kaputt zu machen. Diesen freien Umgang mit dem Material erlebt man hier in Form von in sich zusammenfallenden Songstrukturen, plötzlichen Anflügen von Hardcore-Punk oder dann doch wieder angenehm flockigem Folk-Pop (sehr schön das damals auch als Single veröffentlichte »Father To A Sister Of Thought«), bei dem alles Sinn macht. Aber Pavement ging es auf diesem Album vor allem wohl darum, Sinn zu unterwandern – was auch von beknackten Songtiteln wie »Flux = Rad« unterstrichen wird.
Dieses als Doppel-CD mit insgesamt fünfzig (!) Stücken erscheinende Reissue dokumentiert Pavement auf dem Höhepunkt ihrer Vielseitigkeit und Produktivität. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass die reguläre Version des Albums um B-Seiten-Tracks, Auszüge aus Radio-Sessions oder Sampler-Beiträge erweitert wurde. Wer wissen will, wie der Indie-Rock der mittleren 90er klingt, kommt an dieser CD ohnehin nicht vorbei.
Anm. d. Red.: Diese Rezension erschien innerhalb der »Back for Good«-Kolumne in Spex 12/2006, #305
LABEL: Domino Recording Co
VERTRIEB: RTD
VÖ: 03.11.2006

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