International Pony Mit dir sind wir vier

Text von Oliver Tepel
am 10. November 2006

So ein schöner Titel. Im Reim zerschmelzen mögliche Eindeutigkeiten. »Teamgeist« und »Einsamkeit« entrinnen den Worten, übrig bleibt ein »Welcome«. Aber bitte, was für ein Willkommen! Die wahre Schönheit des Titels offenbart sich da im Angesicht des Covers: »Mit DENEN bin ich also vier!« – Da steht auch kein Konjunktiv, es beinhaltet nicht den Anspruch, sich auch so einen tollen Look aus P-gefunktem Superheldenchic und New Orleans-Tribalismus zuzulegen. Nein, diese tollen Typen wollen MICH auch so mit dabeihaben!
Selbstredend ist der Gedanke, diesen Look zu tragen, verführerisch. Und es wäre nicht Pop, würde das Konzept nicht funktionieren: Die Freaks laden dich ein, und im Herzen weißt du längst, dass du dazugehörst. Zu einer ganzen Gang, als nur einem DJ, der dich als Gast auf SEINER Party begrüßt. Vor vier Jahren präsentierte »We Love Music« ein geschlossenes System voller Verführungen.

    Sicher, »Leaving Home« spielte mit der Offenheit, und bei einer Viva-Plus-Verlosung war mal eine Mitarbeiterin für die Länge eines Satzes mit im Boot. Doch der Clip zu »My Mouth« stellte klar, dass es nur drei geben kann. »Sometimes when sad things happen, one starts to see a different beauty in this world«, räsonierte Angie Reed als glücklose Reporterin am Ende des Clips – und inmitten ihres Humors kann es sein, dass man Mitgefühl entdeckte.
Davon erzählt »Mit dir sind wir vier« so, als hätten die drei sich selbst eine Lektion erteilt. Musikalisch? Ja, auch. Von vielen der alten Stilvorgaben befreit, finden Pony den ganz eigenen Ton. Das Subtile ist hier mehr abstraktes Element als geschickte Anspielung. Da singen sie – gemeinsam mit Khan & Snax – in »Bubble In The Bottle«: »I´m a bubble in your bottle / from the bottom to the top«, und oben angekommen und herausgeploppt, hinterlässt die Bubble eine beatlose stille Quelle, um dann wieder loszusprudeln. Party, sicher, aber mitten im Leben.

    Eine dem Albumtitel gleich lautende Einladung verschickte einst Robert Gernhardt. Da galt es, sich zu drei riesengroßen, etwas ängstlich-betrübt dreinschauenden Katzen zu gesellen. Es scheint, als stünde jede Freude in Bezug zu Spuren von rührender Tristesse. So erblüht soulfunkende Wärme aus den jauchzenden Stimmen von »Solid Gold« wie aus den Moll-Harmonien von »Still So Much«, ihrem »Let´s go away for a while«. Man trifft adelige Wenigschläfer auf wirren Grillpartys, und Rica Blunck verspricht: »We will be the answer«. Dieser Balsam hatte bislang umständlichere Namen: »Commander Cody & His Lost Planet Airmen« oder »Dr. Buzzards Original Savannah Band«, aber da wurde er auch nicht in Hamburg angerührt. Wie der wirkt, zeigen Pony im Dialog mit einer Vertreterin der anderen Idee von schwarzer Musik in »Gothic Girl«: »Come with me – you know the freaks come out at night«. Warum da nicht mitgehen?

LABEL: Columbia

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 01.10.2006

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