DJ Shadow The Outsider

Auf der Suche nach Tiefe. Dem Gefühl der ersten Massive Attack, Portishead, zweiten Air. Wie hieß noch mal seine letzte? Ach ja, »The Private Press«. Aber irgendein Stück darauf? Der Fairness halber – es sind zwei: ein Beatbox-Rocker und ein entrückter Folk-Soul. Nach dem genreprägenden Debüt und umrahmenden EPs immerhin zwei Beweise, wie Josh Davis Gefühl basteln kann. Was dann mit seinem seit dem schnellen Ende des grotesken Mini-Hypes U.N.K.L.E. angenehm unaufdringlichen Profil – kaum schmerzfreien Auftragsarbeiten, Filmmusiken und Kooperationen – zu einer gleich bleibenden, wenn nicht gar wachsenden Erwartungshaltung führt: komm, cooler Vertrauter, unser Leben braucht einen altneuen Interior-Klassiker. Wer sich allerdings seine Arbeit als Selektor genauer ansieht, ob historisch auf BBE oder HipHop auf Quannum, könnte die Ungereimtheiten erahnen, die jetzt wieder zu einer – nun sag es endlich – satten Enttäuschung führen. Irgendwo im utopischen Kalifornien hat Shadow etwas zusammengestrickt, was weder als Möbel noch als Bild oder Essen funktioniert. Kalt und kantig, mit einer Hälfte voller zweitbester Stücke des späten Busta Rhymes, um nicht gleich an Berliner HipHop zu denken.
    Phrasierungsfrei durchgerappte Stücke mit einem Musik-Text-Verhältnis, wie man es von Shadow überhaupt nicht erwartet hätte. Dann wiederum ewig lange Strecken waviger Verwehtheit samt englischen Moorleichen aka Thom Yorke und Enya-Verschnitten.

    Die Täterpsychologie samt tief sitzendem Szenen-Überdruss, Anti-Downbeat-Reflexe und ähnlich nachvollziehbare Beweggründe geben Sympathie, helfen aber dem Bock so gar nicht. Bleiben also wenige Fingerübungen in Rhythm & Sound, Takte oder Elemente aus der alten Shadow-Kiste, wo der coole MPC-Rock und das edle Holz wieder spürbar sind. Und ja: eine perfekt nachgebaute »Across 110th Street»-Soulhymne. Ein Fall für runtergefahrene Überfrachtungen. Und spätere, selbstkompilierte Best Ofs.

LABEL: Universal Music

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 15.09.2006

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