Grizzly Bear

Yellow House

Text: Philipp L'heritier

Prog-Revival Teil 328 und eine alte Geschichte: Grizzly Bear ist das Band gewordene 4-Spur-Gerät von Sänger und Gitarren-Schrammler Edward Droste aus Boston. Das Debüt »Horn Of Plenty« entstand quasi im Alleingang, war total LoFi - und so richtig Musik-Karriere, das war ja auch nie geplant. Mittlerweile sind Grizzly Bear zu viert und leben in Brooklyn. »Yellow House« ist das zweite Album und Eklektizismus pur, aber als Gegenteil von »gut gemeint«. Ständig fühlt man sich an Augenblicke der Pop-Geschichte erinnert, ohne es hier jedoch mit Raubkopierern zu tun zu haben. Die Band verklebt die größtenteils aus dem weiten Feld zwischen Folk und dem heutzutage auch gerne als »New Weird America« bezeichneten Gebiet zusammengetragenen Puzzleteile zu eher schwer fassbaren Stücken, denen nicht am großen Ohrwurm-Moment oder dieser einen kickenden Hookline gelegen ist, sondern am Schaffen von, nun ja, Atmosphäre. Es regnet, Wolken ziehen vorüber. Häufig wird innerhalb der Tracks die Gangart gewechselt, von schwermütiger Ballade in einen beschwingten Ausflug mit Wanderklampfe und Stolpersteinen gesprungen. Das sicherlich vorhandene coole Wissen wird denkbar unaufdringlich und uncool vorgezeigt. Grizzly Bear setzen sich im Gemüsebeet zwischen das Animal Collective und einen experimentierfreudigeren Badly Drawn Boy, haben Nick Drake gelernt und erhellen ihren Trübsal blasenden Grübler-Pop durch erhebende Chor-Momente, an denen Brian Wilson seine Freude haben dürfte, nebenbei können im Hintergrund allerlei Gebläse, Streicher und vernebelte Elektronik vernommen werden. »Yellow House« riecht nach modriger Waldhütte ebenso wie nach New Yorker Kunstgalerie, nach der akustischen, weniger Weltschmerz versprühenden Variante von Radiohead, nach dem Stoff, aus dem, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, der nächste Mini-Hype geschnitzt werden sollte - und klingt, das soll hier die Hauptsache sein, ziemlich überwältigend.

LABEL: Warp Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 01.06.2006

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