Bonnie »Prince« Billy

The Letting Go

Text: Doris Achelwilm

So ist das mit dem Gehenlassen. Je mehr er es beschwört, aufs älter werdende Fähnchen sich schreibt, desto mehr artet das Entspannen, Abrüsten und Baumeln für den Formwilligen in Maßarbeit aus. Hier noch eine Streicherschleppe, dort ein Klopfen mit dem trockenen Holz, bisschen Tempogekippel, vielleicht doch ein mildes Aufschäumen der Gitarre, noch ne Gitarre dazu, nur kurz und kontrapunktisch, und für den mitreißenden Fluss dann eben noch eine, und wieder Geigen und Geigen - was soll man machen: ohne Ornat und Kerben sähe das Fortkommen avec laissez-faire nicht aus. Sorg- bzw. Kopflosigkeit klingt sicher anders; mit Ruhe, Uneile und einer schön dumpfen Faulheit gegenüber dem Anspruch, sich ein weiteres Mal neu zu erfinden oder für immer Palace Brother zu sein, hat die neue Amtshandlung des Prinzen trotzdem einiges zu tun.
    Für »The Letting Go«, welche nach Co-Produktionen mit Matt Sweeney sowie Tortoise als ein leicht überfälliger Alleingang Will Oldhams angekündigt wurde, hat es den Superwolf nach Reykjavik verschlagen. Ganz so einsam zog er seine Kreise da nicht: Neben Spezialisten, deren gute Namen auf -sson und -dottir enden, scharte er Studiotopchecker wie »Filthy« Jim White (Schlagzeug) um sich. Der himmelhoch fahrende Sopran seiner bisherigen Gelegenheitsbegleiterin Dawn McCarthy (Faun Fables) kommt gar regelmäßig so weit nach vorne, dass ihre beiläufige Erwähnung in den Line-Up-Notes untertrieben wirkt. Das eigentlich nur nebenbei; und doch bleibt der nervös bis Augenrollen machende Eindruck, dass die betörendsten Formulierungen und Fitzel der Platte deswegen verzogen werden, weil sie einander überlagern statt höflich aus der jeweils leuchtenden Bahn gehen. Schade, aber toll? Man stelle sich eine Geschichte vor, die ihr sog. Thema schräg verfehlt, aber einmal pro Absatz viel zu erstaunlich erzählt ist, als dass man aufhören könnte zu lesen.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 15.09.2006

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