Nina Nastasia

On Leaving

Text: Jan Niklas Jansen

Nina Nastasia gehört zu diesen Menschen, die das Pech haben, zur falschen Zeit das Richtige zu tun. Wäre zum Beispiel ihr dramatisch arrangiertes, von allen möglichen Geistern heimgesuchtes Album »The Blackened Air« erschienen, als auch Leute wie Devendra Banhart oder Vashti Bunyan öffentliches Interesse für ihre Suche nach einer ganz eigenen Folk-Musik fanden, es wäre unmöglich gewesen, sie zu übersehen. Stattdessen kam es so, dass sie ihr etwas sperrigeres drittes Album »Run To Ruin« auch noch eher zu früh veröffentlichte und auf den richtigen Moment nur die Wiederveröffentlichung ihres genialen Erstlings »Dogs« fiel. All das passierte aber auf dem Post-Hardcore-Label Touch & Go und sorgte vielleicht dafür, dass sie nicht einmal so viel Aufmerksamkeit bekam wie Laura Veirs.

    Wie schon ihre vorherigen Werke wurde »On Leaving« in bestechend ultrarealistischer Manier von Steve Albini aufgenommen, erscheinen tut es jedoch auf Fat Cat, was irgendwo zwischen dem Animal Collective, Sigur Ros und eben Frau Bunyan ja Sinn machen sollte. Trotzdem drängt sich die Sorge auf, dass es auch diesmal wieder nichts wird mit der großen Aufmerksamkeit, denn weit ausholende Arrangements sind weitestgehend verschwunden - bzw. werden sie meistens durch ein Klavier ersetzt, das man selten so spärlich, zögernd und schön gehört hat, seit David Grubbs auf »Arise Therefore« von Palace Musik spielte. Nur ganz selten melden sich Streicher aus dem Hintergrund und tragen eher dazu bei, die Stücke zerfasern zu lassen, statt sie dort zusammenzuhalten, wo ihnen ein sicheres Bassfundament komplett verwehrt wird. Dazu singt Nina Nastasia mehr als je zuvor von greifbaren Verlusten, von Trauer, Vergänglichkeit und vergebenen Chancen. Diese Sachlichkeit ist es, die denken lässt, dass der Zeitgeist hier vielleicht wieder verfehlt wird ? sie ist es aber auch, die »On Leaving« zu einem ergreifenden Album macht. Für Musik wie diese gibt es Worte wie »würdevoll«.

LABEL: Fat Cat / PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 08.09.2006

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