Mission Of Burma

The Obliterati

Text: Ralf bei der Kellen

Mit diesem Album haben die meisten wahrscheinlich frühestens in 20 Jahren gerechnet. Nachdem die Band mit »oNoFFoN« 2004 über zwei Dekaden nach ihrer Trennung ihr zweites Album vorlegte, war man erstaunt bis erschrocken über die Qualität der Musik sowie die Kraft dieser drei leicht in die Jahre gekommenen Männer. Nun scheint das Seniortrio des Post Punks Gefallen an seiner neuerlichen Kollaboration gefunden zu haben und legt gleich nach. Beinhaltete »oNoFFoN« den intellektuellen und musikalischen Ballast aus dem Leben der Bandmitglieder der letzten 20 Jahre, so ist »The Obliterati« ein frisches, geradezu leichtes Album, das sich so nah an der Grenze zum Pop bewegt, wie es dieser Band (bzw. einer Band unter Mitwirkung von Roger Miller) möglich ist. Die Tatsache, dass »The Obliterati« mit einem Song des eher melodieorientierten Bassisten Clint Conley (of »Revolver«-fame) beginnt, sagt einiges über seine Hörbarkeit aus. Nach wie vor wird aber nicht auf wired tape experiments hinter dem Sound der klassischen Drei-Mann-Punkrock-Combo verzichtet; Produzent und Aushilfe Bob Weston ist auf diesem Album sogar zum dauerhaften Bandmitglied aufgestiegen. Im Vergleich zu früheren Alben fallen die Harmoniegesänge am meisten auf; gelegentlich ist man versucht zu denken, dies könnte ein verloren gegangenes Album von The Who sein. »The Obliterati« ist nicht unbedingt ein epochales Album, sicherlich aber das mit dem bislang höchsten Unterhaltungsfaktor. Es scheint, als hätten Miller, Conley und Prescott einfach diese 25plus Jahre gebraucht, um auf dieser qualitativen Ebene anzukommen. Man sollte der Band dankbar sein, dass sie einem ? im Gegensatz zu vielen anderen Bands ? die fünfzehn langweiligen Alben der Zwischenzeit erspart haben.

LABEL: Matador

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 16.06.2006

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