Lambchop

Damaged

Text: Christoph Braun

Was oder wer auch immer Kurt Wagner in diese Lage gebracht hat: Arschding. Arschloch. Ich nehme das persönlich. Wie soll ich es ausdrücken? Da summt was ganz, ganz Schlimmes durch auf der neuen Lambchop. So ein Vibe aus Verzweiflung, Trauer, Traurig- und Einsamkeit. Der umso grausamer wirkt, findet denn mal ein Fitzelchen Hoffnung den Weg des Lichts durch den kleinen Mottenbiss in der schweren Gardine. Natürlich haben Lambchop nie das große Lied der Happiness in Dur gesungen. Ich weiß das, denn ich bin wegen meines harten und einsatzbereiten Trainings der Weltmeisterkandidat für Lambchop-Karaoke.

    Von »How I Quit Smoking« an, nicht der ersten, aber meiner ersten Lambchop, habe ich so mein aktives Fantum gepflegt: Musik und Texte leben von einer Fülle an Bedeutungen, das habe ich dabei gelernt, deshalb habe ich Lambchop auch nie als Melancholiker empfunden. Denn der schwarze Humor, die Spitzen gegen private wie politische Gegner und auch dieser Perfektionismus im Arrangement ließen Kurt Wagner immer als vitalen Hemdsärmeligen wirken. Und jetzt: beschädigt. Oder sogar kaputt. Man merkt den Songs an, dass Wagner um Haltung ringt und darum, das Niederschmetternde doch noch mal für sich arbeiten zu lassen. Schon in »Paperback Bible« findet er die feinen Bilder: »Guess I´d Like To Sell / A Good Used Paperback Living Bible«. Gerade da aber ist seiner Stimme bereits anzumerken, dass etwas Furchtbares in Wagners Leben passiert sein muss. Sie klingt hilflos. Sie bestimmt die ganze Platte und macht eben für dieses Mal aus der vieldeutigen Lambchop-Musik ein Synonym für Trauer. Dass die Songs so toll wie immer geschrieben, arrangiert und produziert sind, sollte vor allem Wagner dabei helfen, wieder auf die Füße zu kommen. Ich werde ihm eine Blume auf die Bühne werfen oder so.

LABEL: City Slang

VERTRIEB: RTD

VÖ: 11.08.2006

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