The Most Serene Republic
Underwater Cinematographer
Text: Marko Markovic
»We pass over cities and towns collapsed in hopes that people find amusement amongst the depressed.« Wenn du mal in der erhabensten Ecke deiner Stadt diese Zeile hörst und dabei nicht schneller nach Hause unter deine Indie-Decke schlüpfst, als Dave Lombardo die Doublebass streichelt, dann lebst du in der wohl glücklichsten Stadt der Welt. In einer Stadt, die vermutlich niemals vom Wind unter die Nullgradgrenze gedrückt wird.
Lange dachte ich, dass Toronto trotz seiner geographischen Lage so eine Stadt sein könnte, hauptsächlich wegen der Musik, und ja: ganz besonders wegen Arts & Crafts. Vorhang auf: The Most Serene Republic entern als »indie-rock androids« (Selbstbezeichnung), barocke Schulabbrecher und jugendlich-elektronifizierte Venedig-Nostalgiker dieses kanadische Superconnected. Der erste A&C-Act, der personell nicht mit Broken Social Scene verbunden ist.
»Underwater Cinematographer« ist ein Debüt, das so verspielt-wirr wie Architecture In Helsinki und gleichzeitig so indietronisch-melancholisch wie Notwist wirkt. Einlullend und upliftend, tanzend und nachdenkend trifft hier Liquidos »Narcotic« auf billigen Bar-Jazz, Lagerfeuer-Gitarren auf Ambient-Weiten; eine Platte, wie ein Dialog ohne klare Gesprächspartner, genau im Ecotone zwischen Indie und Pop. »Content« heißt ihre Lieblingsfarbe, »Kid A« ihr musikalischer Urknall. Musik, die ihren Ausgangspunkt im konsequenten Widerspruch zwischen epischer Breite und einsamer Kälte sucht. Musik, die das Misstrauen gegenüber dem Song in ähnlich erhabener Weise zu einem unklaren Gewässer verschlüsselt, wie es zu ihrer epischen Zeit auch Built To Spill taten. Musik, die, wenn sie mal losgelassen wird, alle Kältepole der Welt zum Schmelzen bringen wird. Egal welcher Stadt. Versprochen.
LABEL: Arts & Crafts / City Slang
VERTRIEB: RTD
VÖ: 03.02.2006

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