Jason Collett

Idols Of Exile

Text: Walter W. Wacht

Das Welt-ein-Dorf-Phänomen schlägt unerbittlich, jederzeit und überall zu. Da wartet man nur auf den Besuch eines Kanadiers, den Freund der Mitbewohnerin. Und kaum angekommen bestätigt dieser das, was man sowieso längst weiß: eng gesponnene Freundschaften quer durchs Land, andere würden das Netzwerk nennen. Und dann kommt das Jason Collett-Album zu genau jener Zeit per Post an. Der erste Kommentar von Paul beim Anblick des Albums war: »Oh, that guy. He and his band played in my garage a while ago. He´s nice. I took a T-shirt from his merch.«
    »He« - Jason Collett - ist eher über ein anderes Projekt - Broken Social Scene - bekannt. Und »his band« - Paso Mino, seine Backing-Band - eigentlich gar nicht. Bis zu dem Tag, als es an Colletts Tür klingelte und ihm ein paar Jungs eröffneten, man sei seine neue Band, man habe auch schon etwas vorbereitet. Hüstel. »These guys came around and they played every song perfectly. The melodies, the harmonies: everything fine!«
    Gar nicht so leicht, denn »Idols Of Exile«, das zweite Collett-Album, ist nicht nur ein Singer/Songwriter-Album. Durch die Freundschaft zu den Menschen hinter Arts & Crafts wird die teils weiche, teils rauchige Stimme Colletts untermalt von u.a. Leslie Feist, Emily Haines (Metric), Teilen von Broken Social Scene, Apostle of Hustle, Do Make Say Think und Stars. Und als Produzent ist da Whiz-Kid Howie Beck. Sounds familiar. Ist es aber nicht. Oder doch? Collett orientiert sich stark an traditionellem Songwriting: Dylan, Young, Waits, aber auch Bunnymen und Nick Lowe. »Idols Of Exile« ist das Gegenteil von BSS-Platten. Eher klein-klein statt ausufernd, intimer und offener, als es im Kollektiv möglich ist.
Collett schreibt über seine Vergangenheit, seine Jugend in Bramalea, Ontario. Über das Verlassen seines Elternhauses und das Brechen mit selbigem im Alter von 17. Über den ersten Kuss. Solche Sachen. Oder um es mit Dylan zu sagen: »Take care of all your memories, for you cannot relive them.«

LABEL: City Slang

VERTRIEB: RTD

VÖ: 03.03.2006

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