Graham Coxon

Love Travels At Illegal Speeds

Text: Jan Niklas Jansen

Wenn Graham Coxon »I´ve been thinking about these words forever« singt, dann heißt das auch auf seinem sechsten Soloalbum nicht, dass er plötzlich zum großen Wortkünstler geworden ist. Nein, er klingt noch immer wie ein aufgeregter junger Mann, der nicht so recht weiß, was die Liebe mit ihm anstellt und wie man da drüber reden soll. Und noch immer zuckt man bei manchen Sätzen, die er singt, zusammen und schaut kurz etwas verlegen zu Boden, bis der Moment vorbei ist. Was bei einem Album, das von hinten bis vorne eben von Liebe handelt, letztlich ja völlig angemessen ist.

    Dass wieder alle Welt davon berichten wird, dies sei sein bislang bestes Album, sollte dabei nicht als Hinweis auf gravierende Veränderungen gelesen werden. Der Musiker, der erstaunlicherweise noch langsamer erwachsen wird als Lou Barlow, baut seine Songs weiterhin auf einem soliden Gerüst aus Helden zwischen The Who und Mission Of Burma. Er hat, ihr wisst schon, eine Graham Coxon-Platte gemacht. Auf ihr ist er ein besserer Sänger als je zuvor, ein geschmackvoll zurückhaltender Gitarrist, ein etwas überenthusiastischer Schlagzeuger und ein hervorragender Arrangeur von dezent ausufernder Instrumentierung. Dabei gelingt es ihm mit spielender Leichtigkeit, astreinen Bluesrock als Pophit zu verkleiden (»What´s He Got«) oder in aller Unschuld des unbeholfenen (37-jährigen) Skater-Jungen von nebenan zur Untreue anzustiften (»Don´t Let Your Man Know«).

    Dabei ist er mit seiner Musik näher an dem, was derzeit auf britischen Indie-Tanzflächen passiert, ohne sich groß dabei verbiegen zu müssen. Ihm dabei zuzuhören macht so viel Spaß und Lust auf mehr, dass man fast vergisst, sich zu fragen, wozu dieser Mann wohl fähig sein wird, wenn er in ein paar Jahren mal die Pubertät hinter sich gelassen hat.

LABEL: EMI

VERTRIEB: EMI

VÖ: 17.03.2006

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