Battles

EP C/B EP

Text: Carsten Sandkämper

Es ist klar, dass man einer Plattenfirma nicht unbedingt glauben muss, wenn sie das nächste große Ding, das alles, aber verflucht nochmal alles, was man in den letzten Jahren an die Ohren bekommen hat, in den Schatten stellt, ankündigt. Das heißt alles und nichts. In der vernetzten Welt gibt es jedoch eine neue Größe, die einen, kombiniert mit dem vom Größenwahn eifriger A&R-Gestalten gekennzeichneten Platteninfo, aufhorchen lassen sollte: das Rauschen im Chatterwald. »My goodness, I´ve seen them on day two and that was it for me. Pure genius!«, »I fecking dunno how they do it«, »We were trippin´ on this band. Ace!« All das sind Kommentare, die Zeugen des letztjährigen »All Tomorrow´s Parties«-Festivals in diversen Chatlisten über Battles zu sagen wussten. Und mal abgesehen vom naturgegebenen Unterschied, der zwischen Bands im Studio und Bands auf der Bühne existiert: Das, was Battles auf diesem Tonträger zusammenschmeißen, ist mit »aufregend« nur unzureichend beschrieben.

    Zugegeben, das Line-Up liest sich schon zielgruppengerecht. John Stanier, Drummachine hinter früheren Helmet, Tomahawk und The Mark of Cain trifft auf Don Caballeros Ian Williams, Lynx´ Dave Konopka und den Avantgardisten Tyondai Braxton (gut informierten Hörern von seiner Kollaboration mit Prefuse 73 bekannt). Irgendwo in den Untiefen zwischen intelligentem Rock und destruktiver Elektronik landen Battles auf einem wahren Schlachtfeld, auf dem alles möglich scheint. Vier Individualisten schmeißen ihre Talente zusammen, die schwersten Rhythmen, sowohl in Groove als auch in »Farbe«, clevere Gitarrenfragmente, irgendwie waghalsig aneinander gewebt, und seltsam anmutendes Resampling der ganzen Chose, um sie unvermittelt irgendwo wieder zwischen die Fronten zu schicken. Klingt zu martialisch? Nun ja, sie wollen es so. Battles metzeln Strukturen dahin, um auf den Ruinen zu tanzen. Dekonstruktion als Chance für Vehemenz und Eindringlichkeit. Das war seinerzeit bei Don Caballero schon immer schwer zu schlucken, nervte nach einhelliger Meinung, war aber gleichzeitig der beste Aufreger gleich nach Cola mit Aspirin. Wer nach Don Caballero nicht nach Luft schnappte oder wenigstens Herzrhythmusstörungen hatte, galt als coole Sau. Ganz so cool muss man nicht sein, um Battles zu überleben, aber man sollte sich allen Schöngeist, den einen »Postrock« gelehrt hat, abschminken. Battles sind keine logische Konsequenz aus Tortoise, sondern der schlecht frisierte Bastard aus kurzgeschlossenen Aphex Twin-Hörern und Fans elektroakustischer Laborversuche.

    Mit der nun erscheinenden Doppel-EP werden Battles via Warp einer breiteren europäischen Öffentlichkeit vorgesetzt - und die wird diese Suppe bereitwillig auslöffeln, bevor dann im September ein komplettes Album erscheint.

LABEL: Warp Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 03.02.2006

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